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Advent 2012

Predigt > Weihnachten

Advent: Lukas 1, 57 -66  -  Die Geburt Johannes des Täufers

Für Elisabeth kam die Zeit, dass sie gebären sollte; und sie gebar einen Sohn.
58Und ihre Nachbarn und Verwandten hörten, dass der Herr große Barmherzigkeit an ihr getan hatte, und freuten sich mit ihr.
59Und es begab sich am achten Tag, da kamen sie, das Kindlein zu beschneiden, und wollten es nach seinem Vater Zacharias nennen.
60Aber seine Mutter antwortete und sprach: Nein, sondern er soll Johannes heißen.
61Und sie sprachen zu ihr: Ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der so heißt.
62Und sie winkten seinem Vater, wie er ihn nennen lassen wollte.
63Und er forderte eine kleine Tafel und schrieb: Er heißt Johannes. Und sie wunderten sich alle.
64Und sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott.
65Und es kam Furcht über alle Nachbarn; und diese ganze Geschichte wurde bekannt auf dem ganzen Gebirge Judäas.
66Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.


Liebe Gemeinde,
es war die Nachricht der Woche. Zwischen all den Nachrichten um Kriege und Konflikte, um wachsende oder schrumpfende Wirtschaft, kuriosen Marsstaub oder sehr irdische Klimaerwärmung war auch diese gute Nachricht: Kate ist schwanger. Ein Königskind ist im Werden. Große Freude löste das aus bei den Engländern. Auch bei uns hat mancher die Nachricht gerne gelesen und sich mitgefreut. Am Schicksal der Windsor nimmt halb Europa großen Anteil. Vieleicht noch nicht mal, weil das englische Königshaus aus  besonders klugen oder begabten Leute besteht, sondern eher noch, weil sie so durchschnittlich sind. Sie vermitteln dem kleinen Mann das Gefühl, dass auch er König sein könnte und seine Frau die Queen. Auch umgekehrt tröstete es uns zu erfahren: Der königlichen Familie geht es auch nicht besser. Da gibt es auch Ehekonflikte bis hin zur Scheidung, Krankheit, tödliche Unfälle, da schlagen die Kinder mal über die Stränge. Da wird der Thronfolger immer älter und die Alten geben den Betrieb nicht ab. Langsam schwindet die Hoffnung, je das Imperium zu übernehmen. Und jetzt also: Kate ist nicht nur  schwanger, ihr war auch ziemlich übel.

Ein Königskind ist im Werden - so erzählt auch Lukas die Weihnachtsgeschichte. Und was für eines: „Ein König aller Königreich, ein Heiland aller Welt zugleich“,  singen wir es in diesen Tagen und machen Tor und Tür dafür auf. Wir freuen uns mit. Wir leiden mit an der schwierigen Schwangerschaft, bei der am Ende noch nicht mal eine Wiege da ist für den himmlischen Herrn. Der Futtertrog muss reichen. Doch gerade so hat er unsere Sympathie.

Die Weihnachtsgeschichte des Lukas hat Weltgeschichte geschrieben. Dabei hat sie sich wohl  nach historischem Verständnis so wie Lukas sie erzählt nie ereignet. Sie ist eine Dichtung. In ihr verdichtet sich christlicher Glaube, die christliche Weise also, Gott und die Welt zu sehen -  sie ausgesprochen hoffnungsvoll zu sehen und damit auch schweres Schicksal zu meistern.
Was Lukas erzählt ist kein Märchen, sondern, wie Martin Luther  singt, eine ausgewachsene Mär, gute neue Mär. „Der guten Mär bring ich so viel, davon ich singen und sagen will. Euch ist ein Kindlein heut geboren, von ein Jungfrau auserkoren“, so werden wir es zu Weihnachten mit den Engeln singen.
Heute im. Advent singen wir allerdings noch nicht von der Jungfrau, dem jungen Mädchen zunächst ohne Mann und dem Kind im Stall geboren.
Die Geburt, von der heute erzählt wird, ist dem genau entgegengesetzt. Es ist die Geburt eines Kindes von einer alten Frau, Elisabeth heißt sie. Sie ist seit vielen Jahren verheiratet und gut situiert - alter Priesteradel. Das gehörte damals für einen Priester zum guten Ton: verheiratet zu sein und viele Kinder zu haben.
Zacharias heißt ihr Mann. Wörtlich bedeutet dessen Name: Gott hat mich nicht vergessen. So kann das später auch als Überschrift über der Geschichte stehen. Zunächst aber ist der Name eine Frage: Hat Gott mich vergessen?
Die Frage erinnert an all jene, die alt geworden sind, materiell vielleicht sogar alles haben, dazu noch den beruflichen Erfolg und doch fehlt da noch das Entscheidende zur Erfüllung.  All die vielen guten Werken werden da merkwürdig schal, weil sich mit ihnen dieses Entscheidende nicht herstellen lässt.
So hat der alte Priester mit den Jahren mehr und mehr das Gefühl: Mich hat der liebe Gott vergessen. Da ist eine tiefe unerfüllte Sehnsucht und kaum noch Hoffnung. Da sind die Zweifel – bin ich vielleicht selber schuld an meinem Schicksal. Aber Lukas betont: Er und seine Frau lebten untadelig. Ihr Schicksal hat nichts mit Schuld zu tun. Es ist unverschuldete Kinderlosigkeit, die sie trifft. Und das traf sie damals noch sehr viel mehr als uns heute. Keine Kinder - das hieß nicht nur keine Rente und Pflegenotstand. Kein Kind das  hieß: keine Zukunft,

So steht die Frage da:. Warum? Warum sind wir mit Kinderlosigkeit geschlagen? Oder auch, so klagt es mir eine Frau: Warum habe ich ein behindertes Kind, für das ich sorgen muss., das aber nie für mich wird sorgen können?  Ist das Leben so ungerecht, oder hat Gott uns vergessen?
Der Name, den Lukas dem Priester gibt bezeugt für alle, die so fragen nun die urchristliche Erfahrungen: Gott hat dich nicht vergessen! Er hat noch etwas mit dir vor!  Er schenkt dir Leben in Fülle. Auf Hebräisch heißt das Elisabeth - Gott ist Fülle. Ein volles Leben wartet noch auf dich. Sogar ein doppelt volles Leben. Elisabeth geht nicht nur mit Johannes schwanger, da erscheint auch plötzlich ihre Verwandte, das junge Mädchen Maria,  und findet Aufnahme bei ihr. So wachsen in ihrem Haus ein paar Monate gleich zwei Kinder heran und mit ihnen eine neue Welt.

Kann ich das wirklich glauben? Zacharias fragt so. Es ist ein Zweifel, der aus Erfahrung kommt. Da sind zu viele enttäuschte Hoffnungen, zu viele zerplatzte Träume. Was kann der Skeptiker noch glauben?
Genauso wie ein Kind langsam heranwächst braucht auch der Glaube Zeit  zum Wachsen, braucht das Vertrauen Zeit zum Werden. Christlicher Glaube erzwingt keine Glaubensbekenntnisse. Sie kommen aber von selbst dort, wo jemand die Erfahrung von Zacharias und Elisabeth macht: Gott ist gnädig. Es ist eine wunderbare Gnade, eine "amazing grace", die uns mit hm begegnet. So soll das Kind dann auch heißen: Gott ist gnädig – Johannes. Der Name ist  frohe Botschaft.
Wer sie noch nicht aus vollen Herzen singen kann wie Zacharias, der schreibt sie erst mal auf eine Tafel:
Johannes – Gott ist gnädig.
Doch mit Hilfe des Chores können heute auch die ansonsten Stummen in den Lobgesang einstimmen, so wie Lukas das notiert
„Sogleich wurde sein Mund aufgetan und seine Zunge gelöst, und er redete und lobte Gott. .... Und alle, die es hörten, nahmen's zu Herzen und sprachen: Was, meinst du, will aus diesem Kindlein werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.“
Heute wissen wir was aus dem Kindlein geworden ist. Davon berichten dann auch die Historiker: Johannes der Täufer - er markiert den Übergang zu einer neuen Religion, einer neuen Weise, Gott und die Welt zu sehen. Am Übergang des Jordan beginnt mit der Taufe die christliche Welt. Da erklingt vom Himmel hoch die Stimme Gottes: „Du bist mein geliebtes Kind an dir habe ich Wohlgefallen.“ Sie erklingt zunächst über dem einen Sohn Gottes, dem eingeborenen Sohn Gottes – so wird die spätere Tradition ihn nennen.  Doch vielleicht erklingt die Stimme aber auch schon von Ewigkeiten her und er ist der erste, der es hört und versteht. Das Besondere dieses Königskindes, des Christkindes ist, dass er alle  die an ihn glauben zu Königskindern macht.  Die Rolle des Christkindes kann jeder spielen. Von ihm berührt, möchtest du dann mit keinem König der Welt mehr tauschen. Du selbst bist Christ, ein König, eine Königin im Himmelreich.- trotz allem Schweren oder auch nur kleineren Schwangerschaftsübelkeiten.
Die  Zunge lockert sich, du kannst singen und tanzen.  Auch  wenn noch nicht gleich  jeder Ton stimmt, lassen sie sich nicht entmutigen.  Denken sie dran, wir besingen die Geburt des Johannes, zu Deutsch: Gott ist gnädig, ausgesprochen gnädig


 
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