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Konfirmation 2006

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Konfirmation 2006 - Zusammenstehen mit einem klaren Ja



Predigttext:

2. Kor. 1, 18- 24


Gott ist mein Zeuge, dass unser Wort an euch nicht Ja und Nein zugleich ist. Denn der Sohn Gottes, Jesus Christus, der unter euch durch uns verkündigt worden ist, durch mich und die Mitarbeiter, der war nicht Ja und Nein, sondern er war ein klares Ja. Denn als frohe Botschaft von Gott ist er ein klares Ja; darum sprechen wir auch durch ihn  das Amen, das Ja-gewiß, Gott zum Lobe.

Gott ist es aber der uns konfirmiert, samt euch in Christus und der uns in der Taufe zu Christen gemacht hat und sein Zeichen eingeprägt  hat und in unsere Herzen hat er als Konfirmationsgeld den Geist gegeben.

Nicht dass wir Herren wären über euren Glauben, sondern wir sind Helfer eurer Freude; denn ihr steht im Glauben.



Liebe Schwestern und Brüder in JC ...,



das wollten wir  sein: Helfer eurer Freude für ein christliches Leben. Und das war das erste was zu lernen war: Mit Spaß Christ zu sein. Mit viel Spaß und dem manchmal auch nötigen Ernst Antworten zu finden auf die Grundfragen unserer Existenz: Wo komme ich her, was mache ich hier, wer bin ich.

Phantastisch kreative Schöpfungsgeschichten voller Geist sind dabei heraus gekommen. Ich lese mal eine aus eurer selbst gestalteten Konfirmandenbibel vor:

„Als Gott mich aus seinen Händen fallen ließ, ließ er mich in  einen Behälter voller Kinder fallen, wo nur die besten Kinder drin lagen, Darunter war ich. Dann kam irgendwann der Storch vorbei, der holte mich heraus, Danach flog er mit mir bis auf den höchsten Berg der Erde. Da sah er meine Mutter. Er wartete  noch einen Moment und dann flog er mit mir hinunter zu ihr. Er ließ mich auf dem Dach herunter und flog weg. Dann ging ich durch den Schornstein hinein ins Haus. Danach kamen meine Eltern mir entgegen, die haben geweint vor Glück, dass sie so einen schönen Jungen bekommen haben.“

Dazu kann ich also auch nur sagen: Herzlichen Glückwunsch, liebe Eltern. Herzlichen Glückwunsch ihnen allen, auch wenn sie nicht alle einen so schönen Jungen bekommen haben. Bei den meisten von ihnen war es ja ein schönes Mädchen.

Herzlichen Glückwunsch zu diesen Wunderkindern. Auch in der Erinnerung an die Kindheit, die heute zu Ende geht, dürfen sie gerne noch eine Träne vor lauter Glück vergießen.

Auch wenn das Kind zwischendurch mal ausgesehen hat, wie gerade durch den Schornstein gekrochen. Auch wenn sie manchmal vielleicht gar allzu kreativ waren und Grenzen gesetzt werden mussten: Es war und ist ein Glück, diese Kinder zu  haben. Und  wenn sich manche kleineren Mängel herausgestellt haben sollten. Das ist wie bei Urmel aus dem Eis: Gerade die Sprachfehler und Besonderheiten manchen jeden und jede einmalig, unverwechselbar  und liebenswürdig.



Wenn ihr heute noch einmal zurückdenkt an die vergangenen Jahre, wenn da schöne Ereignisse und Krankheiten, wenn Freude und Sorgen sich abwechselnden. Heute kann  über der ganzen Kindheit das stehen was am Ende der biblischen Schöpfungsgeschichte  Gott im  Himmel als letztes Urteil sagt: „Und Gott sah an, alles was er gemacht hatte, und siehe es war sehr gut.“

Ja es ist sehr gut, dass ihr heute hier so sitzt und steht. Groß geworden, junge Herren und Damen. So wie das am Ende der Paradiesesgeschichte erzählt wird: „Gott der Herr machte Adam und Eva Röcke von Fellen und zog sie ihnen an und sprach: Siehe der Mensch ist geworden wie unsereiner und weiß, was gut und böse ist.“

Es sind heute längst  nicht mehr nur Röcke aus Fell, wie bei Adam und Eva oder Fred Feuerstein,  es ist schon sehr viel edlerer Zwirn, den ihr an habt. Diese Kleidung macht deutlich: Ihr seid geworden wie unsereins.  Kein Strampel mehr, keine Gummihose. Erwachsenenkleidung für Mann und Frau. Was wir beim Abend im Casino im Spiel schon mal eingeübt haben, mit Jackett  Krawatte oder Kostüm, dezent geschminkt  und mit viel Geld in der Tasche, das wird heute schon Realität. Mit so vielen neuen Möglichkeiten muss man umgehen können.

Zu lernen, was gut und böse ist, war deshalb auch Aufgabe des Konfirmandenunterrichts. Wer sich die biblische Geschichte anschaut von dem Baum der Erkenntnis von Gut und Böse im Paradiesesgarten, der erkennt: Da geht es um Lust und Liebe, um Grenzüberschreitungen und neue Erfahrungen, und es es geht darum, sich zueinander zu bekennen, zueinander zu stehen,  auch wenn  das was da gerade geschehen ist so furchtbar peinlich ist, dass man sich in die Büsche verschlagen möchte. Doch die verführerische Schlange aus dem Garten Ende ist nicht böse an sich. Sie taucht in der Bibel auch auf wie bei Arzt und Apotheker: Als Symbol des Heils. Und Jesus empfiehlt gar: Seid klug wie die Schlangen.  Nicht in den Dingen liegt das Böse, sondern in ihrem Missbrauch, lehrt der Kirchenvater Augustin und mancher Konfirmand hat das in der Vergangenheit auch noch nach der Konfirmation beim traditionellen Rundgang gelernt. Zuviel des Guten, und zu früh des Guten – da wird es böse und dann kann einer nicht mehr stehen, nicht mehr auf den eigenen Beinen und nicht mehr zu den anderen stehen – und dann kommt der Fall, der Sündenfall.

Wenn’s rund geht im Leben, dann ist das die Frage: Können wir noch zueinander stehen, oder fällt alles auseinander. Der  Sündenfall ist nicht die Schlange, der Sündenfall ist: Wenn der Adam nur sagt: Die Eva war’s und die Eva, dann sagt die Schlange war’s, die niederen Triebe oder der Apfelwein. Und dann fallen böse Worte verfluchte Worte, und das Paradies ist zu Ende.

Doch das muss nicht sein. Ihr habt gezeigt, wie es anders geht: Am Schluss eurer selbst geschriebenen Geschichte zum Vandalismus an  einem Apfelbaum und dem Zorn von Nachbar Willi, da steht ein Sündenbekenntnis und dann auch dieser schöne Satz für eine Männerfreundschaft: Wir halten immer zusammen, sowohl in guten  als auch in schlechten Zeiten. Gott segne euch, dass euch das gelingt.

Wie schwer das manchmal ist zeigt im Fortgang der Bibel spätestens die Geschichte von Sarah. Von der biblischen Sarah wird erzählt, wie Schönheit, Schuld und Schicksal zur Trennung von ihrem Mann führen und nur der Himmel kann sie wieder zusammenbringen.

Bei unserer Sarah hier  war es das Schulsystem, mit der Aufteilung der Kinder nach dem 4 Schuljahr breit über die Schullandschaft, die Freundinnen trennte. Gott sei Dank denken unser Bildungsexperten inzwischen ja darüber nach, ob das so sinnvoll ist, schon nach dem 4. Schuljahr alles auseinander zu reißen.  Denn die Schule des Lebens, das ist  nicht nur Lernstoff und Leistung, das ist vielmehr noch Pflege von Freundschaften, Leben in guter  Gemeinschaft. Füreinander dasein und einander weiterhelfen. Die Starken für die Schwachen.  Und die angeblich Schwachen verfügen häufig über eine Kraft, ohne die auch die Starken nicht sein können.

So war es wohl richtig gut, dass ihr euch in der Konfirmandenzeit  wieder begegnet seid und euere Freundschaften bestärken konntet.  Andere sind sich hier zum erstenmal  begegnet und  über ihrem gemeinsamen Schicksal ständiger Umzüge als Freundinnen nahe gekommen.



Auch so kann das sein. Auch die Widrigkeiten des Lebens können tiefe Verbindungen schaffen. Sarah und Abraham, die sind am Ende nicht deswegen Erzvater und Erzmutter von Gottes Volk, weil bei ihnen immer alles glatt gegangen wäre, sondern weil gerade durch Trennungen und durch Krisen hindurch die Beziehung an Tiefe gewonnen hat.

Im Fortgang der Geschichte wird aus einem Benoni, einem Sohn des Unglücks, durch konstruktive Verarbeitung eines Sterbefalls noch ein Benjamin, Sohn des Glücks.

Wie aus Unglück noch Glück werden kann, aus Tod neues Leben, wir stellen das heute dar.

Deswegen stehen wir hier beim Abendmahl zusammen und üben das ein: Schuld zu bekennen, mit der Vergebung einen Anfang zu machen, zueinander zu stehen und mit Gottes Geist einen neuen Bund zu schließen. Verrat, Verleugnung und viel böses Blut sind nicht das Letzte. Unser Glaubensbekenntnis endet nicht mit: „Gekreuzigt, gestorben, begraben und zur Hölle gefahren ...“,  sondern  da kommt noch was.

Eine Auferstehung, ganz anders als man sich das so vorgestellt hat und der Himmel ist wieder offen.

„Weißt du wo der Himmel ist? Nicht so hoch da oben. Sag doch Ja zu dir und mir, du bist aufgehoben, du bist aufgehoben.“

„Ja, du bist  mein geliebtes Kind, an dir habe ich wohl Gefallen.“

die ganze Bibel ist nichts anderes als eine Erklärung dieses Wortes, das bei der Taufe Jesu vom offenem Himmel herab erklingt. Das wurde auch bei eurer Taufe gesagt, das Zeichen des Kreuzes wurde euch auf die Stirn gezeichnet oder ihr habt das als Taufkreuz zum Umhängen bekommen. Vielleicht  sorgt heute die Patin oder die Oma für das kleine Kreuz in Silber zur Konfirmation. Damit ist besiegelt: Ihr steht im christlichen Glauben.

Ihr habt Vertrauen gefunden. Zu euren Eltern, zueinander, vielleicht zu unseren Konfiteamern. Hinter all dem steht Gottvertrauen. Selbst wenn die eine oder der andere sagt: Ich glaube nicht an Gott. Das ist nicht schlimm, das liegt an der Natur.

„Als ich ein Kind war, da redete ich wie ein Kind und dachte wie ein Kind; als ich aber ein Mann wurde, tat ich ab, was kindlich war,“  schreibt der Apostel Paulus. Mit der Kindheit geht auch der Kinderglaube und manche Gottesvorstellung, und doch bleibt uns was im Wandel der Vorstellungen und  Weltanschauungen:

„Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei  aber die Liebe ist die Größte unter ihnen.“ Schreibt der Apostel Paulus,

Es reicht also auch, wenn  jemand sagt: Ich glaube an die Liebe. Denn Gott und Liebe, das ist das gleiche.

Was die Liebe  angeht, da zeugen eure Geschichten  davon: Ihr steht im Glauben. Da kann man lesen:

„Sie ist einer der wenigen Menschen, denen man vertrauen  kann. Wenn ich mal traurig bin, tröstet sie mich und bringt mich zum Lachen, indem sie Witze erzählt und Krimmassen macht. Das hat mir sehr geholfen und ich bin ihr sehr dankbar.“ Viele solcher guten Worte habt  ihr übereinander geschrieben. Das ist geistliches  Konfirmationsgeld. Davon könnt ihr leben.



Wir sind nicht Herren über euren Glauben. Als evangelische Christen könnt ihr grad mal glauben was ihr wollt, und auch an vielem Zweifeln. Bei uns ist in dieser Hinsicht ja jeder sein eigener Papst.  Aber wir sind Helfer eurer Freude. Wir wollen euch helfen, das Leben so zu verstehen, dass am Ende ein fröhlicher Mensch dabei rauskommt. Mit Spaß und Lust am Leben kommt der Glaube dann von selbst - oder von  Gott, der euch in Wahrheit konfirmiert, gemeinsam bestärkt.  

Ihr könnt auch manches Schwere getrost durchstehen, wenn nur einer  zu dem anderen steht, und ja zu ihm sagt, so wie er gerade mal ist. Ja - dann geschehen Wunder.  



Eure Bibel zeugt davon: Einer, der Schwierigkeiten hat deutsch zu schreiben, schreibt ein wunderbares griechisch:

Mä niko hypo tou kakou. – Lass dich nicht von der Kacke besiegen. Und er zeigt, dass er Phantasie hat wie der Nikolaus. Und ein anderer, mit Problemen bei der Schönschrift sucht sich einfach einen, der schön schreiben kann und gemeinsam wird die Geschichte richtig gut.

So eben macht das Gott: When Israel was in Egypts land, oppressed so hard they could not stand. Als  Israel so unterdrückt war,  das sie nicht mehr stehen konnten, da offenbarte Gott sich dem Mose: Führe mein Volk in die Freiheit.

Und der antwortet: Das kann ich nicht. Ich kann nicht reden, ich stottere. Ein Führer der stottert, geht doch nicht - oder?.

Und Gott antwortet, gerade so brauche ich dich, da bleibst du menschlich, und außerdem hast du einen Bruder, der kann reden. Lass den für  dich reden. Gemeinsam werdet ihr es schaffen.



Konfirmation heißt: Gemeinsam fest machen. Gemeinsam steht ihr heute hier. Beim Abendmahl steht ihr als Gruppe, und euer Familien- und Freundeskreis steht im Anschluss zu euch. Laut und klar sagen wir zu dem was da geschieht: Ja, ja gewiss, so soll es sein: oder auf Aramäisch: Amen. -  Mit einem solchen klaren Ja und Amen  lässt sich selbst hinter manchem Nein noch ein Ja entdecken.

So etwa wie bei jenem Bräutigam der eigentlich heiraten wollte. Aber nun hat er in einer Schnapslaune mit seinen Freunden gewettet:  Auf die entscheidende Frage bei der Trauung sage ich „nein“.  Er will die Wette nicht verlieren, was ihn ruinieren würde, aber auch die Frau nicht, weil er sie liebt. Was soll er machen. Er geht zum Pfarrer in seiner Not. Vertraut sich dem Seelsorger an und der verspricht: „das kriegen wir schon hin“.

Es kommt die Trauung. Alle sitzen gespannt in der Kirche. Es kommt die entscheidende Frage: Julia willst du Christian als deinen Ehemann aus Gottes Hand nehmen. Und sie antwortet Ja. Und du Christian: Haste was dagegen? Nein.

Und damit also nun: Ja und Amen

 
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