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Konfirmation 2008

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Konfirmation 2008 – Aufbruch ins gelobte Land

Konfirmationspredigt über 2 Mose 7 - 14 und 4. Mose 13 - 14


Liebe Gemeinde,

der Predigttext für diese Konfirmation steht im 2. Buch Mose Kapitel 7-14 und 4. Mose 13 und 14 und die Lesung dauert etwa eine Stunde. Zu unserem Glück haben aber zwei Konfirmanden aus dem Gedächtnis das Wesentliche zusammengefasst und aufgeschrieben. Ich lese zur Konfirmation von fünf Mädchen und zehn Jungen:  

Die zehn Plagen:

Mose wurde von Gott zum Pharao geschickt, um ihm zu sagen, dass er sein Volk ziehen lasse solle, sonst würde das Wasser in ganz Ägypten  zu Blut werden. Der Pharao glaubte ihm nicht, doch am nächsten Tag sah er dass der Nil zu Blut wurde und dass viele Fische tot auf dem Wasser lagen. Am  nächsten Abend ging Mose erneut zum Pharao und bat ihn sein Volk ziehen zu lassen, sonst würde die 2. Plage folgen. Als der Pharao das Volk Moses  wieder nicht ziehen lassen wollte, regnete es Frösche. So ging das Tag für Tag weiter mit anderen Plagen, wie  der Stechmückenplage, der Stechfliegenplage, der Viehpestplage, der Blatternplage, der Hagelplage, der Heuschreckenplage und der Finsternisplage. Doch der Pharao ließ  das Volk nicht ziehen.

Mose versuchte es ein letztes Mal und sagte zum Pharao: "Wenn du mein Volk nicht gehen lässt, werden alle Erstgeborenen in Ägypten heute Nacht sterben. Der Pharao reagierte nicht und wie Mose gesagt hatte starben alle Erstgeborenen, auch der Sohn des Pharao. Daraufhin ließ  er das Volk Moses frei. Doch er schickte ihnen Truppen nach. Moses und seine Gruppe wurden in Richtung  des Roten Meeres getrieben. Das Volk sah keinen Ausweg mehr. Doch dann tat sich das Meer auf und sie konnten hindurchgehen. Die Truppen des Pharao wollten hinterher, doch als sie hinterher gingen fiel das Meer in sich zusammen und die Leute des Pharao ertranken. Das Volk Moses war gerettet.



Ein Gespräch mit  einem Vater oder einer Mutter: „Ach“ sage ich, „sie haben ja eine wunderbare Tochter, so aufgeweckt, fröhlich, hilfsbereit und immer da in der Konfirmandengruppe. Da kann ich nur sagen: herzlichen Glückwunsch zu so einem Kind.“ „Ja“, sagt mir da ein geplagter Vater,  eine angestrengte Mutter, „schön, dass sie in der Konfirmandengruppe so ist. Aber sie müssten die mal zuhause erleben. Ich hab sie auch gern aber jetzt -  das ist manchmal ganz schön schwierig:  Bockig, zickig, bei allem erst mal kontra und es muss über alles diskutiert werden.  Es ist eine Plage.“ .  

Heute will ich sie trösten, liebe Eltern: Das geht vorüber.

In der Bibel gibt es ein ganzes Fest, dessen Name kann man so übersetzen: Es geht vorüber, er geht vorüber.

Passah, das ist das Passagefest schlechthin. Als Christen feiern wir das im Osterfest und zur Konfirmation. Ein Fest am Übergang.

Zielsicher haben einige von euch, liebe Konfirmanden, völlig unabhängig von einander und ohne dass das abgesprochen war die zentralen biblischen Geschichten dazu zusammengefasst. Ganz kompakt findet ihr das in eurer persönlichen Konfirmandenbibel. Von der Geburt des Mose, über die zehn Plagen, die Rettung am Meer bis hin zu den Ängsten das gelobte Land nun auch in Besitz zu nehmen.



Heute ist Passah, der Tag des Übergangs. Die Kindheit ist zu Ende. Ihr seid jetzt Jugendliche. Wir segnen euch mit Kraft von oben, wir beschenken euch mit vielen Gaben hier unten. Vor allen: Wir schenken euch Glauben und Vertrauen -das Vertrauen, dass ihr die Zeit, die vor euch liegt, meistern werdet. In der Selbstaneignung dieses Glaubens entsteht Selbstvertrauen. Das kann nun wachsen.

Noch seid ihr Schüler, Jünger Jesu, aber schon auf dem Weg zum Apostel, zur Apostelin, zu einem in die Welt hinaus gesandten Menschen, der etwas zu sagen hat. „Ihr werdet die Kraft des Heiligen  Geistes empfangen.“

Ihr steht heute hier zusammen, und wir stehen zu euch. Der Kirchenvorstand steht euch zur Seite, die Familien stärken den Rücken, Gott im Himmel schenkt  euch seine höchste Anerkennung  bei der Einsegnung. Dazu die himmlischen Chöre in Gestalt des Chores " die Kirchenmäuse", symbolisch sang eine Schwester für alle Geschwister. Es ist alles bereit für einen großen Tag.



Ihr habt euch ein Jahr lang darauf vorbereitet: In eurem Gebet zu diesem Übergang habt ihr euren Eltern, Großeltern und eurer Verwandtschaft hohe Anerkennung ausgesprochen. Ihr blickt zurück auf eine gelungene Kindheit und sagt Dank dafür: Dem Himmel sei Dank, und auch manchem,  der euch zum  Engel geworden ist.

Ich weiß nicht ob es euch später auch so gehen wird, wie dem Volk Israel, aber ich vermute es. Das sehnt sich nämlich in der Wüste so einige Mal zurück nach den Fleischtöpfen Ägyptens. Da musste man nicht für sich selber sorgen, da war alles geregelt.

Als furchtbare Unterdrückung wird das in der Bibel geschildert, aber vielleicht war es  ja auch so wie bei der „furchtbaren Unterdrückung" in eurer Kindheit, die einer in seiner Bibel so schildert: (und ich sage da zu Beginn gleich dazu: Bitte schmunzeln, damit sie es richtig verstehen): „Es war der Tag der Schrecklichkeit: Um 15.00 Uhr fing es an, um 18.00 Uhr hörte es auf. Wir waren gespannt wie wir das überleben sollten. Um 15.30 Uhr wurden wir gezwungen, Kuchen zu essen. Wir mussten außerdem etwas trinken. Danach liefen wir mit vollem Bauch... der Weg war die reinste Überwindung...“



Nein, dieser Bericht handelt nicht von Rabeneltern. Der entsprechende Konfirmand, bei dem sich das ereignete, hat zum Ausgleich auch die Geschichte von  der Speisung der 5000 geschrieben.

Als wir das Lesen der Geschichte probten, habe ich noch dazu gesagt: „Du musst dabei lächeln,“ damit man die Anführungszeichen sieht und den Humor, der dahinter steckt. So lässt sich auch die Bibel lesen, mit der Voraussetzung: Gott hat Humor. Ich will deswegen heute erst einmal um Verständnis für den Pharao werben. Vielleicht war der gar kein Diktator, sondern nur der gleich zehnfach geplagte Vater eines aufsässigen Sohnes.

Vielleicht war er nicht der biologische Vater von Mose, aber er war der Vater per Taufe. Seine Frau hat den Kerl aus dem Wasser gezogen. Sie haben ihm das Leben geschenkt. Im Schilf am Nil hat die Prinzessin ihn gefunden, sich in ihn verliebt und ihn großgezogen zum Prinz von Ägypten. Dem hat es an nichts gefehlt. Er ist hochbegabt, er hat Führungsqualitäten und ein Auslandsstudium in Sachen Schafzucht und Religion macht er auch noch.

Was den Vater aber tief verstört ist, dass dieser Sohn als Jugendlicher einen besonderen Sinn für Gerechtigkeit entdeckt und den Pharao nun damit konfrontiert: So etwa:„Es kann doch nicht sein, dass ein paar Wenige sich immer neue Paläste bauen und in ihrer eigenen abgeschotteten Welt leben, und die anderen müssen schwer schuften und können doch von ihrer Hände Arbeit ihre Familien nicht ernähren.

Es kann doch nicht sein, dass dein Leben als Sklave oder wohlhabender Bürger nur von dem abhängt was deine Eltern sind, und nicht von deinen Begabungen oder Leistungen. Das ist ungerecht.“

Und was macht der Prinz von Ägypten? Er sagt: „Ich bin ein Israelit!“ Er identifiziert sich mit den Armen im Land, mit den Unterdrückten, den Ausländern und denen anderer Religion. So beantwortet er die Frage, die uns in der Konfirmandenzeit beschäftigt hat: Wer bin ich? Wer bin ich denn in Wahrheit?

Mit den Worten Jesu würde er sagen: Ich bin einer von denen, die nackt sind, und hungrig und durstig, krank und gefangen, ein Fremder im Land. Das bin ich! Ich bin ein einfaches Menschenkind. Und gerade so spricht er das Vaterunser zum Himmel, gerade so wird er zum Sohn Gottes. „Ich bin ein Israelit“, sagt der Prinz von Ägypten zum Pharao, „lass mein Volk  ziehen!  Wir sind reif genug, für uns selbst zu sorgen.“

„Und der HERR sprach zu Mose...“, notiert die Bibel. Es ist die Stimme des Lebens, die hier spricht, damals und heute. Die Stimme, die will, dass ihr lebt.

Diese Stimme Gottes spricht auch noch durch die zehn ägyptischen Plagen hindurch.

Am Anfang sind das ja eher Pubertätserscheinungen. Die Sache mit der Schlange, die zum Leben erwacht. Blutungen im Wasser. Das  mit den Fröschen. Pickel und Pocken überall.

Das kennt ihr, liebe Eltern, wenn euer Kind zum Frosch wird, und sie dürfen den nicht mehr küssen und berühren. Die Kinder fahren ihre Stacheln aus, piesacken sie wie Steckmücken oder Wespen. Sie plündern den Geldbeutel wie Heuschrecken.

Man merkt es dem armen Pharao an, wie er hin- und hergerissen ist, die jetzt endlich ziehen zu lassen, wieder seine Ruhe zu haben und der Angst davor, ohne sie zu sein. Wahrscheinlich ist er sogar ehrlich besorgt. Die Kinder Israel wollen in die Wüste. Sie wollen ihr eigenes Fest feiern. Sie wollen ihrem Gott dienen, außerhalb seiner Kontrolle.  Was ist das für ein Gott? Wo geraten die da rein? Welchen Vorbildern wollen die folgen? Was wird sie leiten?

In ihren Sorgen und Ängsten, die sie formuliert haben, liebe Eltern, haben wir das vor Gott gebracht, und wir vertrauen darauf, dass es dort im Gebet auch gut aufgehoben ist.  Denn es ist der gleiche Gott,  der uns verbindet über die Generationsgrenzen hinweg. Es ist der gleiche Gott, auch wenn die Ausdrucksformen und Zeremonie der Verehrung verschieden sind.

Fragen wir noch. Warum lässt der Pharao dieses lästige Volk nicht einfach ziehen, nach all den Plagen? Warum erlauben wir unseren  Kindern nicht gleich einfach alles?

Die Antwort ist doch: Weil wir sie gerne haben. Weil uns diese Kinder nicht gleichgültig sind. Weil Freiheit auch erkämpft sein muss, damit sie uns etwas bedeutet.

So weit ist mir der Pharao ganz sympathisch. Nur mit den beiden letzten Plagen wird die Geschichte doppelbödig. Da wirf er nämlich Mose aus dem Haus: „Komm mir nicht mehr unter die Augen, sonst bring ich dich um“ - so eskaliert der Familienkonflikt bis hin zur tiefen Finsternis. Dann macht er Druck, er vertreibt sie aus dem Land, aber auf subtile Art und mit militärischer Gewalt versucht er sie doch wieder zurückzuholen. Und dabei geht er unter.

Doch soweit, liebe Eltern, muss es nicht kommen. Deswegen erzählt uns die Bibel diese Geschichten, ddeswegen spielt sie Verhaltensweisen durch bis zum bitteren Ende: Damit wir vorher und rechtzeitig auf die Stimme des Lebens hören und unser Ende ein Gutes ist und kein Bitteres.



Als letzte Plage schildert die alte Geschichte den Schmerz, den Erstgeborenen her zu geben - vielleicht das einzige Kind, die einzige Tochter. Wie geht ihnen das heute?

Die Bibel schildert an dieser Stelle die Einsetzung des Passahfestes. Sie werden das nachher hier wieder erkennen,  beim  Abendmahl:

„Sag der ganzen Gemeinde. Es nehme jedes Haus ein Lamm.

So soll ihr es essen: Gut angezogen, die Schuhe an euren Füssen, als die, die hinwegeilen. Es ist des Herrn Passah.“ Es ist der Übergang in ein neues Leben. Lassen sie also ihre Kinder heute getrost auch mal hinwegeilen. Sagen sie innerlich Ja dazu, dass die heute in ihrer Gruppe beim Abendmahl sind und sie ohne die im Verwandtschaftskreis und mit Freunden zusammenstehen.

Wer diese Konfirmation heute mitfeiert, der hat „Gottes Gnade, Schutz und Schirm vor allem Argen, Stärke und Hilfe zu allem Guten“. Er wird bewahrt vor den Engeln des Todes, die in der Nacht durch Ägypten gehen. Die gehen vorüber, und er gehört zu denen, die weiterleben können.

Eine gut vorbereitete und gefeierte Konfirmation ist vielleicht der beste Schutz vor Suchterkrankungen im Jugendalter. Wer gemeinsam mit den anderen hier von den Weintrauben trinkt, der muss nicht alleine herumsuchen und ausprobieren ob er das richtige Maß findet oder auch nicht. Wir ziehen heute gemeinsam mit Gottes Geist durch das Schilfmeer - jenes Sumpfgebiet, an dem die Kinder Israels ihre Freiheit finden. Später, weil es ein so wunderbarer Tag war, erzählen sie alles  noch wunderbarer:  als die Geschichte wie Gott das Rote Meer teilt.



Bleiben wir bei der realistischeren Variante: Dem Sumpfgebiet, dem Schilfmeer.

Zu diesem Durchzug gehört Disziplin. Die Disziplin beieinander zu bleiben und aufeinander zu achten. So wie bei unserer Nachtwanderung auf der Freizeit: „Achtung Wasserloch!“ Wer da nicht hört, der versumpft.

Es gehört der richtige Zeitpunkt dazu: der Wind muss richtig stehen und das Wasser herausdrücken. Wer zu früh läuft vergeudet seine Kraft im Schlamm, wer zu spät kommt, der säuft ab.

Deswegen: Zusammenbleiben! Es geht darum, dass ihr leben könnt. Mit Spaß und Freude an der Jugendzeit,  dass uns hier keiner vom euch versumpft, dass der Übergang gelingt und ihr ins gelobte Land kommt. Deswegen haben wir uns ein Jahr lang auf diesen Tag entsprechend vorbereitet.



Wenn jetzt immer noch jemand zuviel Angst hat durchs Meer zu ziehen oder über den Jordan, dann erzählt die Bibel noch eine weitere Geschichte: Ich lese uns die in eurer Zusammenfassung:

Nach der Anhörung der Kundschafter sprach sich das israelische Volk gegen einen Einzug ins verheißene Land aus. Nur zwei der Kundschafter vertraten die Ansicht, das Land könne in Besitz  genommen werden.  Alle Übrigen wollten dies nicht. Mose hatte die Kundschafter losgeschickt, um das Land auszuspähen. Aber als sie die Körpergröße der Einwohner sahen bekamen sie Angst. „Es sind Riesen“, hieß es. Sie bewohnen sehr große Städte. Sogar die Früchte sind viel größer als unsere“.



So geht das manchmal: da sind Einzelne schon vorausgeeilt, und was sie erzählen macht Angst. Das gelobte Land ist riesig. Es ist  wirklich das Land ihrer Träume. Mit einer Riesenweintraube kommen die Kundschafter zurück. Wein in Hülle und Fülle, damit macht Gott ihnen Lust auf dieses Stück Erde. Sie sollen schmecken und sehen wie gut das da ist und wie freundlich ihr Gott ist. Die aber sehen nur die Riesen und die festen Mauern großer Städte. Sie haben zuwenig Glauben, zuwenig Vertrauen, und dann wird die Angst so riesig. „Und das Volk weinte die ganze Nacht“, berichtet die Bibel, „lasst uns wieder zurück gehen nach Ägypten“, sagen sie. Doch der Rückweg in die Kindheit ist versperrt. So irren sie 40 Jahre lang abgemagert durch die Wüste. Erst ihre Kinder werden die Lösung finden, die gegen die Riesen hilft. Nämlich: zu wachsen; erwachsen zu werden; sich den Ängsten zu stellen und dann mit versammeltem Blasorchester die Mauern von Jericho zum Einsturz bringen.

Doch das ist eine andere Geschichte und das Blasorchesterkonzert ist ja auch erst nächste Woche zu Pfingsten....

 
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