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Predigt für ökumenische Pilger, Lukas 1,

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Lourdeswasser 40% für ökumenische Pilger

Predigtteil  Gemeindekonvent 31.10.2009


"Viele haben es schon unternommen, Bericht zu geben von den Geschichten, die unter uns geschehen sind“, beginnt Lukas sein Evangelium. Viele werden auch nach ihm noch berichten.
„Wir können es ja nicht lassen, von dem zu reden, was wir gesehen und gehört haben“, sagen Petrus und Johannes in der Apostelgeschichte dem Hohen Rat ins Gesicht. Martin Luther sagt es dem Kaiser: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“
„Möge die Macht mit mir sein.“
Wir sind eine die Zeiten übergreifende Erzählgemeinschaft, vom Lukasevangelium bis zu den Starwars-Episoden des Georg Lucas.
Doch gerade wenn man die Geschichte neu erzählt, mit neuen dramaturgischen Elementen, ist sorgfältig zu erkunden, was man da erzählt und es in guter Ordnung aufzuschreiben.
Es geht nicht um Historie, auch wenn Monate oder Jahre genannt werden. Es geht um Gabriel - die Erzählung von der in den verschiedenen Zeiten wirklich wirkenden Kraft Gottes. Die Erzählung von dem, was mehr als wirklich ist. Es geht um die Darstellung des Seins Jesu Christi, wahrer Mensch und wahrer Gott. Denn er ist ja unterwegs, uns zu erlösen, uns zu befreien, uns zu retten zu einem richtig guten Leben. „Somebody’s knocking at your door“, hat der Chor gesungen.
CMB - Christus segne dieses Haus. Wer das an der Tür stehen hat, kann damit rechnen, dass der Herr auch über die Schwelle kommt, in welcher Gestalt auch immer.
Manchmal schaut er auch im Pfarrhaus vorbei, oder ich treffe ihn als freundlichen Flaschengeist. Doch von der Geschichte, die unter uns geschehen ist, berichte ich am besten einfach mal.

Diese Kirche hier ist seit Februar eine Station auf dem neu eröffneten Jakobsweg von Fulda nach Frankfurt. Streckenweise bin ich den Pilgerweg mitgelaufen. Die erste Etappe führte von Fulda nach Neuhof und da in der Mitte machten wir Rast an einer wunderschönen Lourdesgrotte. Nun ist für einen evangelischen Pfarrer die Lourdesfrömmigkeit ja eher etwas Fremdes und Rätselhaftes. Ich habe mich deswegen noch einen Augenblick mit dem katholischen Kollegen unterhalten, während der Pilgerzug sich schon wieder in Bewegung gesetzt hatte. So lief ich ganz am Ende zusammen mit meiner Frau, die auf mich gewartet hatte. Ein paar hundert Meter weiter am Eingang des nächsten Dorfes sah ich ihn dann:
Ein älterer Herr winkte mir zu, von seiner Werkstatt etwas weiter oben. Vielleicht hat er schon dem ganzen Pilgerzug zu gewunken, aber niemand hat ihn wahrgenommen. Nun trafen sich unsere Blicke und ich folgte seinem Wink. „Wohin geht ihr?“ fragte er. Ich antwortete, „wir laufen den Jakobsweg“. Dann zwinkerte er mir zu und überreichte mir die Flasche eingewickelt in eine Zeitung: „Rätsel am Wochenende“ stand auf der Zeitung. „Rhöner Kornbrand 40%“ auf der Flasche und etwas kleiner: „Rainer Halbleib“. Das ganze steckte er in eine Stofftasche. Schon hatte ich Flasche, Zeitung und Tasche in der Hand, konnte staunend noch irgendwie „Danke“ sagen, und dann beeilte ich mich hinter dem Zug herzukommen. Der war längst weit weg von der Lourdesgrotte.
Als ich die Schlussläufer eingeholt hatte fragte mich meine Frau mit Blick auf die Tasche: „Was ist das denn?“
„Lourdeswasser“ sagte ich schmunzelnd, „das hat mir der Herr gegeben, zum Heil und zur Stärkung“. Dann warf sie einen Blick auf das Geheimnis und lachte. „So, das ist also Lourdeswasser: 40 % Kornbrand“.
Bei der nächsten Mariengrotte haben wir dann das Rätsel am Wochenende der ganzen Pilgerschar gezeigt, mit dem Hinweis, dass dieses für alle Pilger sei. Doch bis zum Ende in Flieden hatte keiner davon getrunken. Mit dem klaren Auftrag des Herrn, es an die Pilger auszuschenken, habe ich es also beim abschließenden Abendessen vor der evangelischen Kirche in Flieden angeboten. „Lourdeswasser, Heilwasser, wer will etwas davon“ – und das waren fast alle.
Es gab zwar keine Gläser oder Kelche, doch jeder hatte einen Suppenlöffel dabei. So habe ich mit viel Freude das Heilwasser des Herrn ausgeteilt wie Hustensaft. Für jeden einen Esslöffel und für besonders Heilbedürftige auch zwei.
Das Ergebnis war das gleiche wie damals bei Jesu Jüngern: Lachen, Freude, gute Gemeinschaft und Lob und Dank zum Himmel.
Später saßen wir mit unserer Wachenbucher Gruppe noch an einer Eisdiele. Kleinere Pilgergruppen, die nach Hause wollten, zogen vorbei. Man grüßte uns sehr freundlich, so wie wenn man ein bekanntes Gesicht wieder erkennt. Und einer deutet in meine Richtung und sagte erklärend zu seinen Mitgenossen: „Das ist der Herr – der mit dem Lourdeswasser.“

Für das letzte Stück des Weges nach Frankfurt startete der Pilgerzug dann hier in Wachenbuchen. „Rettung mobil“ stand auf der weißen Tasche, in ihr die Flasche mit dem Lourdeswasser und alles zusammen auf dem Altar. Der Schlussläufer hat sie mit genommen auf den Weg. In Frankfurt im Gemeindehaus am Dom gab er mir dann die Flasche wieder in die Hand: „Teilen Sie das doch aus – das ist ihre Aufgabe.“
Und sie kamen, die Pilger, natürlich mit Suppenlöffel, das war inzwischen Tradition. „Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist.“ Evangelisch oder katholisch - das spielte keine Rolle. Der Herr ist kreativ, wenn er seine Gemeinde aus allen Völkern und Konfessionen von Fall zu Fall und Zeit zu Zeit versammelt.
„Nun noch den ökumenischen Abschlusssegen in der Leonardskirche“, sagte mein evangelischer Kollege am Ende.
Wir gehen hinüber zu der römisch-katholischen Kirche. Der Priester der Kirche und der evangelische Dekan warten schon in der Sakristei. Alle anwesenden Pfarrer sollen den Segen erteilen, für jeden Pilger ganz persönlich. Der Dekan hat seinen Talar mitgebracht, eine Pfarrerin ebenfalls. Priester und Kaplan haben ihre Messgewänder.
Nur Pfr. Hennig und ich, die wir den ganzen Weg mitgelaufen sind, wir haben nichts. Was nun?
„Albe“, sagt der Priester, „Albe“ sagt der Dekan, „Albe haben wir da“, sagt die Küsterin und holt zwei weiße Gewänder.
Ich blickte zu der weißen Tasche „Rettung mobil“: „Oh Herr, wo hast du uns hier hingeführt?“ Als Antwort höre ich ein sanftes Lachen. Schon stehen wir da im weißen Gewand, marschieren feierlich ein und erteilen vor dem Altar jedem, der es will, den Segen.
„Jetzt sind sie aber ganz katholisch geworden“, flüstert mir eine Frau zu. „Äußerlich“, sage ich, „äußerlich - innen drin bin ich gut evangelisch. Gott segne sie!“.

 
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