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Pfingstpredigt 2012

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Pfingstpredigt 2012 - Windgeschichten

Pfingstgottesdienst mit Taufen

Apostelgeschichte 2, 1-6
1 Und als der Pfingsttag gekommen war, waren sie alle an einem Ort beieinander.
2Und es geschah plötzlich ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Wind und erfüllte das ganze Haus, in dem sie saßen.
3Und es erschienen ihnen Zungen, zerteilt wie von Feuer; und er setzte sich auf einen jeden von ihnen,
4und sie wurden alle erfüllt von dem Heiligen Geist und fingen an zu predigen in andern Sprachen, wie der Geist ihnen gab auszusprechen.
5Es wohnten aber in Jerusalem Juden, die waren gottesfürchtige Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
6Als nun dieses Brausen geschah, kam die Menge zusammen und wurde bestürzt; denn ein jeder hörte sie in seiner eigenen Sprache reden.

Markus 4, 35-41
Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns hinüberfahren.
36Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm.
37Und es erhob sich ein großer Windwirbel und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde.
38Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?
39Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig und verstumme! Und der Wind legte sich und es entstand eine große Stille.
40Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?
41Sie aber fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der? Auch Wind und Meer sind ihm gehorsam!

Markus 6, 45 -52
45alsbald trieb er seine Jünger, in das Boot zu steigen
46Und als er sie fortgeschickt hatte, ging er hin auf einen Berg, um zu beten.
47Und am Abend war das Boot mitten auf dem See und er auf dem Land allein.
48Und er sah, dass sie sich abplagten beim Rudern, denn der Wind stand ihnen entgegen. Um die vierte Nachtwache kam er zu ihnen und ging auf dem See und wollte an ihnen vorübergehen.
49Und als sie ihn sahen auf dem See gehen, meinten sie, es wäre ein Gespenst, und schrien;
50denn sie sahen ihn alle und erschraken. Aber sogleich redete er mit ihnen und sprach zu ihnen: Seid getrost, ich bin's; fürchtet euch nicht!,
51und trat zu ihnen ins Boot, und der Wind legte sich.

Liebe Pfingstgemeinde,
die Geschichte wird  mehrfach berichtet. Ein beliebtes Bildmotiv ist sie dazu. Gemeindebildung, sagen die Exegeten. Das heißt: dieses Ereignis ist historisch gesehen wohl nicht ganz so geschehen. Aber die ersten Christengemeinden haben diese Geschichten erzählt, weil es ihre Erfahrungen wiederspiegelt - das also was ihnen immer wieder geschehen ist, dort wo der Geist Jesu Christi unter ihnen war. Es sind Geschichten davon, wie die Stürme des Lebens beherrschbar werden und Lebensenergie liefern.
Ein Schiff das sich Gemeinde nennt, das Kirchenschiff, ist in schweren Turbulenzen.
Die Wogen gehen hoch. Der Wind bläst ihnen ins Gesicht.
Es spielen sich wohl chaotische Szenen ab. Angst vor dem Untergang kommt auf. Sie mühen sich mit allen ihren Kräften bis zur Erschöpfung  und  kommen doch nur weiter weg vom rettenden Ufer.

Und Gott? Und Jesus? Wo sind die eigentlich?  Zwei klassische Antworten geben die  Geschichten.

   Er schläft. Er ist schon irgendwie  im Kirchenschiff, aber kein Mensch bemerkt ihn, und er macht sich auch nicht bemerkbar. Er überlässt sie anscheinend einfach ihrem Schicksal: „ Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen?“  Sie rufen ihn an – und , oh Wunder, er lässt sich wecken.

 2.    Die zweite Antwort: Er ist gar nicht da.  Die Jünger sind allein auf  stürmischer See. Der Wind bläst ihnen entgegen und finstere Nacht ist es dazu. Es hilft alles Abmühen nichts. Und  dann kommt auch  noch der Klabautermann. Sie schreien. Sie haben schon ihr Ende vor Augen.  Doch der Untergang kommt nicht. Jesus kommtt. Anfangs halten sie ihn für ein Gespenst.  Aber dann redet er wie Engel reden: "Seid getrost, ich bin’s. Fürchtet euch nicht".

Nun  geschieht die Verwandlung. Jesus bedroht Wind und Wellen. Der Sturm legt sich. Es kehrt eine himmlische Ruhe ein. Er ist Herr auch über die Naturgewalten.

Ob das Ereignis genau so geschehen ist wie es Markus erzählt, oder eher so wie es Johannes berichtet, oder Lukas oder Matthäus, oder ob es gar kein historisches Ereignis war. All das ist  nicht entscheidend. Entscheident ist: Diese  Wundergeschichten spiegeln eine Grunderfahrung christlicher Gemeinde in den Stürmen der Zeit. Dieses Wunder gibt es immer wieder!
Die Pfingstgeschichte erzählt in einer anderen Variante davon: Da geschieht ein Brausen vom Himmel wie von einem gewaltigen Sturm, aber es ist kein Unwetter. Es ist der Wind des Geistes. Mit diesem Geist lässt sich die Welt bewegen. Er erfüllt  das ganze Haus. Er setzt sich auf jeden von ihnen. Feuerflammen auf den Köpfen der Jünger - so hat es christliche Ikonografie  dargestellt: Helle Köpfe sind das, aber nicht verkopft. Die reden so, dass die Leute aus unterschiedlichen Milieus es verstehen.  So endet das Pfingstfest als große Taufparty mit 3000 Leuten aus aller Welt.

Heute taufen wir hier nur zwei Kinder im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes - übersetzt heißt das als Wort über diesen Kinder:
1. Du bist geliebt -von himmlischen Eltern geliebt.
2. Du bist ncht allein. Du hast Brüder und Schwestern, Freunde, die mit dir verbündet sind.
Und 3: Du sollst ein heller Kopf sein, guter Geist möge dich begleiten
Es ist  dabei zunächst ziemlich  egal, ob die Eltern klassisch verheiratet sind, oder, wie Maria und Josef,  nur verlobt. Es ist nicht so wichtig ob die Mutter alleinerziehend ist, und  das Kind einen Paten hat oder vier.
Ich freue mich jedenfalls, dass der Heilige Geist mit diesen Taufen hier auch die unserer heutigen Kirche diagnostizierte  Milieuverengung  durchbricht und klar macht:  Gottes Verheißung beschränkt sich nicht auf die  traditionelle kleinbürgerliche Familie. Sie gilt allen Menschen ohne Ansehen der Person.  

Dass wir mit Wasser taufen symbolisiert dabei: zur Liebe gehören ganz eleantare Dinge. Etwa, dass die Kinder gewaschen werden, frische Windeln bekommen und nicht verdrecken. Dass sie auch in den ganz irdischen Dingen liebevoll gepflegt werden. Meist geschieht das durch die Eltern, aber wir wissen aus Untersuchungen über starke Kinder, wie wichtig dabei manchmal auch der Pate ist.

Da haben sich  Forscher aufgemacht und das Schicksal der Kinder erforscht, die unter einem bösen Stern geboren sind.  Die Hütte eines Slums als Heimat, oder eine völlig vermüllte Sozialwohnung.  Die Eltern sind Alkoholiker, depressiv, völlig überfordert  oder gar nicht da. Gewalt und Mißbrauch sind an der Tagesordnung.
Ein Drittel der Kinder aus solchen Verhältnissen geht seelisch zugrunde. Ein weiteres Drittel lebt mit einem schweren psychischen Schaden. Aber dann gibt es auch noch die Kinder, die sich allen Widrigkeiten zum Trotz zu ganz starken Persönlichkeiten entwickeln,  Was ist ihr Geheimnis?
Die Forscher entdeckten: Es ist der Pate. Da ist ein Mensch, zu dem sie hingehen, dem sie vertrauen können, zu dem sie eine stabile Beziehung haben.
Das ist nicht immer der Pate, der im Kirchenbuch eingetragen ist, aber es ist jemand, der genau diese Aufgabe übernimmt  (und nebenbei: er kann dann auch noch nachträglich ins Kirchenbuch eingetragen werden). Da ist jemand, bei dem dieses Kind in all den Stürmen des Lebens und den gespenstischen Szenen erfährt: Sei getrost, fürchtet dich nicht! Ich bin da. Ich halte dich über Wasser.
Der ganze Dreck, der die Seele belastet wird abgewaschen. Der  böse Stern verwandelt  sich zum Stern von Bethlehem. Das Schicksal lässt sich meistern. Die Naturgewalten lassen sich beherrschen. Selbst Tod und Teufel lassen sich meistern,  denn der Meister kommt. Eben dieses wird zur prägenden Erfahrung der christlichen Gemeinden. So  singen wir bis heute: Komm Heiliger Geist.
Heiliger Geist wohlgemerkt  -  nicht irgendetwas Obskures, kein Gespenst, nichts Verschlafenes, sondern aufgewecktes Leben mit Geistesgegenwart. Heiliger Geist - Geist in Höchstform.  
Die Feuerflammen auf dem Kopf eines jeden Jüngers symbolisieren dazu: Die Verwandlung geschieht in den Köpfen. Vielleicht hat sich die Windstärke im Sturm gar nicht verändert. Vielleicht sind die Wellen sind nicht weniger hoch und das Brausen des Sturmes ist noch genauso laut. Aber all das wird  jetzt beherrschbar. Es liefert die Energie, um mit Lust und Freude zu leben.  

Im Sommerurlaub gehe ich manchmal unter die Windsurfer - eine moderne Variante des Seewandels. Da geschieht das so: Du bist weit draußen auf dem Wasser. Der Wind dreht auf und er dreht auf ablandig, treibt dich weg vom Ufer. Die Wellenberge werden größer. Angst kommt auf. Du willst zurück an Land, aber eine große Böe und eine kleine Unaufmerksamkeit, und du liegst im Wasser - in immer mehr tosendem Wasser. Zurückschwimmen geht nicht mehr. Jetzt nur keine Panik; die Kräfte nicht vergeuden. Erst mal durchatmen, ruhig werden. Den Kopf frei kriegen, die Gedanken sortieren, Wind und Wellen beruhigen bis Wind und Wellen in dir drin und Wind und Wellen da draußen ineinander fließen. Dann die richtigen Handgriffe und Stellungen, und der Wind, der dich ins Wasser warf, zieht dich auch wieder empor. Die Wellen beschleunigen die Geschwindigkeit. Du bist schneller als jedes Segelboot und weil es so viel Spaß macht, fährst du gleich nochmal hinaus. Ein wunderbarer Wind über dem Wasser und dazu Wellen für hohe Geschwindigkeit.  Abends am Strand sagt  jemand „starker Wind heute“ , und ich antworte: „ja, ein herrliches  Lüftchen.“  

 
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