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Totensonntag 2011

Predigt > Abschied

Totensonntag 2011

Johannes 5, 24 - 29
Jesus Christus spricht: Wer auf mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben. Auf ihn kommt kein Gericht mehr zu; er hat den Schritt vom Tod ins Leben getan. 25 Ich sage euch: Die Zeit kommt, ja sie ist schon da, wo die Toten die Stimme des Sohnes Gottes hören werden, und wer sie hört, wird leben. 26 Denn wie der Vater aus sich selbst heraus Leben hat, so hat er auch dem Sohn die Macht gegeben, aus sich selbst heraus Leben zu haben. 27 Und er hat ihm die Vollmacht gegeben, Gericht zu halten; denn er ist der Menschensohn.
28 Seid deshalb nicht erstaunt, wenn ich euch sage, dass der Tag kommt, an dem die Toten in ihren Gräbern die Stimme des Sohnes hören 29 und herauskommen werden. Die, die getan haben, was gut ist, werden zu neuem Leben auferweckt werden; die aber, die getan haben, was böse ist, werden zum Gericht auferweckt werden.


Liebe Gemeinde,

So also sind wir hier:  um uns zu trösten, um uns trösten zu lasse.  Wegen des Bruders oder Schwester, die verstorben sind, wegen des Ehemanns, der Ehefrau,des Vaters, der Mutter, dem Freund, der Freundin, die wir verloren haben. In vielfältigen Beziehungen standen wir zu den Menschen, derer wir heute noch einmal gedenken. So vielfältig wie das Leben war auch der Tod.

Nicht jeder von den Entschlafenen, deren wir heute gedenken ist 90 Jahre alt geworden und dann schnell und ohne großes Leiden selig entschlafen. Nicht jeder hat einen sanften Tod ohne Grämen gehabt. Nicht jeder hat das Ziel seines Lebens erreicht. Und ob wir wirklich alle, alle gleich in den Himmel kommen- wer kann  das sagen?
Der Evangelist Johannes erzählt, dass die einen auferstehen zum ewigen Leben und die anderem zum Gericht – aus gutem Grund: Manches muss ja auch erst noch gerichtet werden, bevor einer als Stern am Himmel leuchten kann. Manches muss gerichtet werden, weil es nicht in Ordnung war, weil da ein Leben krumm war. Da ist vieles, das muss noch gerade gebogen werden, damit einer  nicht ewig verkrümmt, verknorzt und verkrüppelt herumläuft.  Solches Richten tut weh, bisweilen höllisch weh. Wir erleben das schon in dieser Welt, wenn krumme Geschäfte offenbar werden und auf Lügen Zusammenbrüche folgen. Das Gericht schmerzt, es ist aber auch heilsam. Das jüngste Gericht dient erst recht unserem Heil, selbst wenn es brennt wie höllisches Feuer. Es rückt die Dinge zurecht.  Es gibt den Opfern krummer Geschäfte ihre Würde zurück, setzt sie ins Recht, setzt sie zur Rechten Gottes.

Bei den Beerdigungen ahnten wir manchmal schon etwas von dem letzten Richter über unserem Leben und Sterben: Von der Größe eines Lebens, von der Erfüllung, ahnten etwas davon wie sich einer aufgeopfert hat für die Gemeinschaft, für den Verein. Wie er mit ganzer Seele, ganzem Herzen und ganzer Kraft da war- ganz bei der Sache für andere.  Es wurde gewürdigt beim Abschied, es war ein Trost für die Hinterbliebenen.
Aber manchmal ahnen wir auch etwas von dem Elend eines Lebens,  von misslungener, gescheiterter Existenz und Sterben in großer Einsamkeit.

Bei der einen Beerdigung war die Kirche voll bis auf den letzten Platz. Bei anderen war fast niemand da, und es hat eines Engels bedurft, damit der Verstorbene nicht irgendwo anonym verscharrt wurde.

Über manchen Gräber wächst das Gras, weil niemand mehr kommt. Andere Gräber sind zu Orten der Begegnung geworden. Hier kann ich noch einmal stehen bleiben,  beten, des Vergangenen gedenken und hinüber blicken zu den anderen, die auch hier her kommen, um ihre Trauer auszudrücken. Die Liebe zu dem Verstorbenen stiftet neue Beziehungen, Leben das aus dem Tod erwächst.

„Ich mag allein nicht gehen, nicht einen Schritt, wo du wirst gehen und stehen, da nimm mich mit.“  So haben wir es bei vielen Beerdigungen gesungen. Auch heute werden wir das Lied noch einmal anstimmen . Es ist die Bitte der Toten, sie mit zu nehmen in unser Leben, all Jene die alleine keinen Schritt mehr gehen können, und doch auch als Tote noch zu uns gehören.
Auch wir selbst in unserer Trauer sind angewiesen auf Menschen und Engel, die uns wieder Kraft geben, uns helfen ins Leben auf dieser Welt zurückzugehen: „So  nimm denn meine Hände du führe mich.“
Die Bitte hat  Erhörung gefunden, wo  jemand kam und hat mich mitgenommen aus meiner Trauer heraus, wieder an die Orte neuer Lebensfreude.  
Es war gut  über den Schmerz zu reden, manchmal auch immer wieder zu reden, und es ist gut , auch dem Nachbarn zuzuhören, immer wieder, damit es leichter wird,  damit menschliche Wärme hinein kommt, wenn der Tod uns kalt anhaucht.

Wir gedenken der Verstorbenen und hoffen dabei, dass auch unserer einmal gedacht wird. Dass wir nicht bloß irgendwo entsorgt werden. Dass auf unserem Grab nicht das Unkraut wächst, als seien wir selbst Unkraut gewesen. Oder in einfacher Kindersprache:  Dass wir in den Himmel kommen, und nicht in die Hölle.
Die Hölle - ursprünglich war das der Name der Müllhalde von Jerusalem. Die Hölle - Menschen einfach auf den Müll geworfen, wie ein altes Radio, das nicht mehr funktioniert. Kein Gedenken mehr; keiner, der einen vermisst, das Leben so, als wäre es nicht gewesen, manchmal gar als wäre es besser nicht gewesen.

Wer das fürchten muss, für den ist der Tag des Endes ein schrecklicher Tag: Du kannst nichts mehr ändern. Es ist niemand da, der noch irgendetwas mit  deinem untergegangenen Leben anfangen kann. Da ist niemand, der für dich wacht, niemand der für dich nun zum  Himmel schaut. Niemand, der dich mitnimmt, wenn bei dir selbst nichts mehr geht.  Der kalte Abendhauch wird zum Eis, das alles einfrieren lässt: ewiger Tod, eine finstere Möglichkeit.

Doch so muss es nicht sein. Wir Christen glauben, dass die Hölle, das Nichts nicht das Letzte ist. Wir haben Hoffnung. Wir beten an die Macht der Liebe. Wir vertrauen darauf, dass die Liebe nicht aufhört. Dass sie ihre Gestalt verändert, dass sie von einem auf den anderen übergeht, ihre Form wechselt - aber  sie hört nicht auf.
„Wie der Vater aus sich selbst heraus Leben hat, so hat er auch dem Sohn die Macht gegeben, aus sich selbst heraus Leben zu haben“, berichtet das Johannesevangelium.
Wir glauben: Keiner von uns hat sein Leben selbst geschaffen.  Wir haben einen Anfang und ein Ende. Der himmlische Vater aber ist schon immer da. Er kommt aus sich selbst und er geht  zu sich  selbst in der Gestalt des Sohnes. Auf diesem Weg aber nimmt er uns mit, schenkt  uns Anteil an seinem Leben. Wir sind ein Kapitel seiner unendlichen Geschichte. Seine himmlische Liebe will uns in Fleisch und Blut übergehen, dort wo wir seine Stimme hören, seine Bitte, ihn mitzunehmen auf unserem Weg.  Unser Lebensweg wird so ein Weg des Glaubens und der Hoffnung  und der Liebe.  
Sie ist das Geheimnis der Welt – die Liebe. Sie ist das, woraus alles geworden ist und wohin alles zurückkehrt.
Sie wird anders, wenn ein Mensch stirbt, aber sie hört nicht auf.
Sie verwandelt sich, verwandelt uns. Wer aus dieser Liebe lebt, muss kein Gericht mehr fürchten. Er hat schon das ewige Leben. Da ist an seinem Ende zugleich ein Anfang.   

 
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