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in der Tat - wahre Liebe, ( 2011)

Predigt > Hochzeit

in der Tat - wahre Liebe
Trauspruch
Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern in Tat und Wahrheit. 1. Johannes 3,18


Liebe Hochzeitsgemeinde,

der erste Vertrag auf der Aida lief über drei Monate, dann noch eine Goodbye-Party am Ende und damit hätte es zu Ende sein können. Heute aber feiern wir das Wunder, dass aus dem drei Monatsvertrag nun ein unbefristeter geworden ist, oder in althochdeutsch: ein ehewiger. Das Wort Ehe bedeutet ursprünglich genau das: Der Vertrag, der für ewig gilt, oder zumindest „bis der Tod euch scheidet.“
Hilfe von oben, Gottes Segen, wird euch dafür heute zugesagt und Hilfe hier unten durch die anwesende Gemeinde. Trauung, das heißt: ihr gehört zusammen für ein ganzes Leben. Was euch jetzt verbindet ist mehr als ein Wort, mehr auch noch als ein Zungenkuss, es ist die gemeinsame Verantwortung für ein Kind, das schon da ist, vielleicht auch für weitere Kinder, die noch kommen wollen. In der Tat - das verbindet euch ein Leben lang, was immer sonst auch geschieht.
Das ist die Wahrheit der Liebe. Sie ist mehr als schöne Worte. Sie hat Folgen, sichtbare ganz reale Folgen, die weit über euer eigenes Leben hinausgehen. Diese Folgen verbinden euch, was immer sonst auch kommt. Eben deswegen gibt es eine kirchliche Trauung aber keine kirchliche Scheidung. Für manche vielleicht auch noch ein zweite kirchliche Trauung, jedenfalls in der evangelischen Kirche, weil die Liebe größer ist als unser Denken und Fühlen und Gott größer als unser Herz, und er weiß auch mit all unserem Scheitern noch etwas Gutes anzufangen und neue Verbindungen zu schaffen. Die Verantwortung für die Folgen von Worten und Zungen, die bleibt euch, ein Leben lang, was immer auch die Zukunft bringt.
Das Kapitel, dem euer Trauspruch entstammt weiß dabei auch um ganz schwierige Zeiten. Da geht es um Zuversicht für Tage, wo einen des Gewissen plagt und das Herz verklagt. Wir wünschen euch, dass solche Tage nie kommen, aber wenn sie kommen sollten, dann lest euren Trauspruch weiter und vertraut auf die Größe Gottes.
Dann wird es so sein wie damals: Wo andere die Abschiedsparty feiern, könnt ihr auf dem gemeinsamen Schiff einfach ein paar Schritte nach oben gehen, unter offenen Himmel, dorthin wo man mit seinem Gott alleine ist und das Herz etwas lauter schlagen hört. Während untern die Musik zum "good bye" läuft, beginnt oben zugleich etwas Neues und Größeres. Eine große Liebe.
Der Johannesbrief setzt ein Gleichheitszeichen zwischen Gott und Liebe. Gott ist die Liebe und auch umgekehrt: Die Liebe ist Gott. An Gott glauben heißt an die Liebe glauben und wer an die Liebe glaubt, glaubt auch an Gott. Doch was ist eigentlich wahre Liebe?
Für die alten Griechen war das die platonische Liebe. Die rein seelische, die schönen Worte, das Reich der Ideen. Die Liebe, das war oben im Himmel, wo alles harmonisch ist und rein und ideal.
Für Johannes dagegen und den ihm folgenden  christlichen Glauben gehört auch ein klares Bekenntnis zum Fleisch dazu, zur Inkarnation, zu dieser ganzen realen Welt, in der wir leben.  Da ist  nicht nur Harmonie, sondern die Dinge und Menschen stoßen bisweilen auch hart aneinander. Da wird die „Göttergattin“ auch mal zum „altbösen Feind“. Christlicher Glaube, das ist das Bekenntnis zu einem konkreten Menschenleben in Fleisch und Blut, zu einer Gemeinschaft, wie sie heute hier in der Kirche sichtbar ist. Wer jetzt hier in die Runde blickt, der sieht: Hier sind nicht nur Heilige, es sind auch viele Sünder unter den Anwesenden, und die meisten von uns sind wohl ein Gemisch aus beidem: Heilige und Sünder zugleich.
So bekennt ihr euch heute also zueinander: mit Leib und Seele, mit Worten und Taten, mit Musik und Tanz; mit phantastischen Menschen, aber auch – ich sag’s mal mit dem Titel eines Hochzeitsbuches – „Wer Ja sagt, muss auch Onkel Herbert einladen“, also den notorischen Sünder, den Schwierigen und Peinlichen. Auch er gehört zur Familie. Manchmal entdecken wir etwas von ihm ja auch an uns selbst. Da zeigt sich dann die Größe Gottes. Der bleibt uns nämlich mit seiner Liebe treu, auch dort wo wir es nicht verdient haben. Er hört nicht auf, an uns zu glauben, auch dort, wo wir längst allen Glauben verloren haben und von großen Erfolgen nichts zu sehen ist.
Die Musikstücke, heute bei dieser Trauung sind ein schönes Bespiel dafür: Es ist Musik an die zunächst kaum einer glaubte, der die Experten Erfolglosigkeit prophezeiten. „Highland cathedral“, das Bläservorspiel zu Beginn etwa. Da hatten die Komponisten große Schwierigkeiten überhaupt einen Musikverlag zu finden, der das veröffentlicht. Doch dieser Ablehnung zum Trotz hat sich die Melodie ihren Weg in die Herzen der Menschen gesucht.
„I am sailing“, stammt keineswegs von Rod Stewart und war anfangs ein ziemlicher Flop der Sutherland brothers, bevor es dann doch die Hitparaden stürmte und zum Kult wurde - auf Segel- und Kreuzfahrtschiffen und mittlerweile auch im Kirchenschiff.
„Ich bete an die Macht der Liebe“ - das singen wir nachher noch, auch wenn die Experten der Kirchenmusik es aus dem Gesangbuch verbannt hatten - wegen zuviel romantischen Kitsch. Aber die Menschen haben es gesungen, das Volk hat es gesungen und sich über die Experten hinweggesetzt.

„Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, ist zum Eckstein geworden“, sagt der Psalm, den wir eingangs gehört haben. Gott weiß auch mit dem Verworfenen noch was anzufangen, und die Liebe erschafft daraus etwas Wunderschönes. Am Ende ist es gar Kult.

Liebe in Tat und Wahrheit, das erinnert daran, dass die großen Momente des Lebens ihre Vorgeschichte haben in viel Kleinarbeit und Mühe.
Ihr musstet etwas tun, hart arbeiten, um zu dem Engagement auf dem Traumschiff zu kommen. Die Leidenschaft eines jungen Mädchens für den Tanz musste da sein. Eine Mutter, die sehr sorgfältig prüft, ob der Wunsch über den Augenblick hinaus reicht, die diesen Wunsch dann aber auch mit ihren Kräften unterstützte. Jahre des Trainings, des Studiums und der Einübung. Die Begeisterung für die Musik bei dem Bräutigam musste da sein und Ausdauer, große Ausdauer, in einem Feld, in dem viele ein Engagement suchen. Dann erst kam der Erfolg.
Eure Geschichte zeigt: man muss dafür gar nicht die Herzen eines Milionenpublikums gewinnen, manchmal reicht schon das Herz eines einzigen Menschen für das große Glück, für den Segen im Leben.
Der Trausegen den ihr zugesprochen bekommt - er ist die Kraft, in Glück und Unglück miteinander zu leben, Hoffnung zu haben auch in widrigen Umständen und eine Aufgabe, die euch verbindet. Das gemeinsame Kind, die gemeinsame Freude, aber auch der gemeinsam getragene Schmerz.

Mit dieser Hochzeit verbindet sich die Trauer über den Tod der Großmutter. Es schmerzte, dass die Mutter der Braut für den Tag heute zunächst kein Visum bekam, weil da immer noch Grenzen sind in Europa. Aber ihr könnt das auch als Aufgabe und Herausforderung nehmen, als etwas, worin sich die Liebe in der Tat bewährt:: Die Überwindung der Grenzen, das Verstehen und Zusammenkommen auf einem langen Lebensweg.

Eure Trauung heute hier in dieser Kirche findet so ziemlich genau in der Mitte eines langen Weges durch Europa statt. Über 4000 km sind es und er ist über 1000 Jahre alt. Er beginnt in der Ukraine, in Kiew und führt bis nach Santiago de Compostella in Spanien. Über die Hohe Straße führt die via regia, der Weg der Könige, auch durch Wachenbuchener Gemarkung. Er verbindet die Länder Europas. Mit den Menschen sind Güter, Waren und Ideen von Ost nach West gezogen und auch umgekehrt. Pilger auf dem alten Jakobsweg kehren gelegentlich in diese Kirche ein.
Heute seid ihr da. Eure Liebe verbindet die Völker, verbindet verschiedene Kirchen. Aber es bleibt auch weiterhin die Aufgabe, das Trennende  abzubauen, so dass eure Kinder frei reisen können, arbeiten und wohnen - auf den Meeren der Welt und in den Länder Europas..
Wir ahnen da schon jetzt etwas von den Folgen eines schönen Abends mit wunderbaren Worten der Liebe, ahnen etwas von Tat und Wahrheit
Wir danken Gott für den Weg, den ihr bisher schon gegangen seid mit diesem großen Versprechen im Herzen. Wir bitten ihn um seinen Segen für den Weg der noch vor euch liegt. „Wir beten an die Macht der Liebe, die sich in Jesus offenbart …“

 
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