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Stufen zum Himmel (2017)

Predigt > Hochzeit

 
 
1.   Mose 28, 15a
Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.


Liebes Brautpaar,
das habt ihr euch also als Trauspruch gewünscht. Ihr habt mir erzählt, dass euch das Wort angesprochen hat, weil es da um Schutz geht, behütet sein auf dem Weg, den ihr zieht.
Ich weiß jetzt nicht, ob ihr euch auch den Zusammenhang, den biblischen Kontext, aus dem dieses Wort Gottes stammt angeschaut habt. Ich erzähle  davon. Da ist zunächst eine große Gemeinsamkeit, etwas, um das geht es auch heute. Segen nämlich - Gottes Segen für ein Leben. In der biblischen Geschichten empfängt der Erzvater Jakob den Segen Gottes für das, was vor ihm liegt. Erzvater ist er zu dem Zeitpunkt noch nicht, sondern einsam und allein am Tiefpunkt seines Lebens. Da träumt er von Engeln, die auf einer Treppe zum Himmel steigen. Am Ende dieses Traumes steht dann dieses Segenswort, und zwar für ihn allein. Den Segen, den ihr heute mit dem gleichen Wort empfangt ist dagegen ein Segen für Zweie: Gottes Segen für eure Ehe, für das gemeinsame Leben von euch Beiden.
Segen - das ist die Kraft in Glück Unglück zu leben und beim Trausegen die Kraft in guten und in schlechten Tagen miteinander zu leben. Im Glück und in guten Tagen fällt das leicht, aber im Unglück und in schlechten Tagen – da wird Gottes Wort zu dem, was hält, trägt und die Perspektive weitet: von der Hölle, in der man vielleicht gerade sitzt hin zu der Himmelfahrt, die noch kommt.
Dabei habt ihr wohl nicht in der Hölle gesessen, es waren höchsten Zahnschmerzen, die die Braut vor der Trauung plagten. Ein Zahn musste auch noch gezogen werden, sowie das manchmal im Leben ist: Da muss jemand ein Zahn gezogen werden, damit er anschließend besser leben kann. Eine dicke Backe gab es auch. Sie ließ sich aber mit etwas Runterkühlen noch ganz gut aushalten. Gottes Segen erspart euch nicht den Schmerz, aber er richtet den Blick im Schmerz schon auf  die anschließende Freude. Christlicher Glaube vermittelt die Botschaft: selbst wenn es mal ganz schlimm kommt, es ist immer noch eine Auferstehung drin. Leidenszeiten sind Segenszeiten. Im Scheitern kannst du auch gescheiter werden.
Doch ihr seid jetzt nicht gescheitert. Eure Liebe ist geglückt. Gott sei Dank, und den Freundinnen sei auch Dank, die sich da redlich bemüht haben und dazu dem Bruder, der dem Freund sein Einverständnis gab, für das Ausgehen mit der Schwester. Aus solchen guten Erfahrungen wächst dann auch die Kraft, das Schwere zu tragen.  
Die Erfahrung: „Bei dir bin ich gut behütet auch in einer schweren Nacht“, stand am Anfang vor nun 4 Jahren. Sie führt euch nun hierher, in das Haus Gottes, zum Danken, Loben, Preisen für die Geschichte, die sich bei euch ereignet hat.
Haus Gottes – Beth El - so nennt der biblische Jakob, den Ort, an dem er die Segensworte hört, die heute euer Trauspruch werden. „Hier ist die Pforte zum Himmel“, entdeckt er. Hier hat er den Traum seines Lebens in der bis dahin schlimmsten Nacht. Er flüchtet gerade vor seinem Bruder Esau. Den hat er zuvor betrogen und seinen Vater auch. Der Betrug ist aufgeflogen. Sein Zwillingbruder hat geschworen: Den bring ich um. Mord und Totschlag in der Familie - so was gibt es, und davor flüchtet er. Auf der Flucht hat er nicht mehr, als was die Flüchtlinge, die heute in unser Land kommen auch haben: Nur das nackte Leben. Aber seit dieser Nacht hat er auch einen Traum. Er sieht den Himmel offen und die Engel herabsteigen und hinauf auf der Himmelstreppe. Er sieht: dieser Ort, wo er nichts hat außer einem Stein als Kopfkissen, das ist zugleich der Ausgangspunkt zum Himmel.
Wie dieser Himmel für ihn dann aussieht unterscheidet sich gewiss von euren Träumen – ich vermute das jedenfalls. Bei Jakob besteht der Himmel aus zwei Haupt- und zwei Nebenfrauen, dazu zwölf Söhnen und wohl auch einigen Töchter, aber die zählten damals nicht so, dazu große Viehherden, Landbesitz und am Ende dann auch noch Frieden in der Familie.  
Der Frieden in der Familie gehört wohl auch zu eurem Traum. Dafür feiert ihr schließlich auch Hochzeit: damit sich die Familien und Freundeskreise mal ordentlich kennenlernen und sie bei einer guten Feier entdecken, wie viele nette Verwandte und Bekannte die andere Seite jetzt mit in die Ehe bringt. Wenn auch mal Einer von der schwierigen Sorte dabei sein sollte - auch die gehören dazu. Mit ihnen auszukommen ist schon mal eine praktische Vorübung für den Himmel.
Der Frieden in der Familie gehört zum heutigen Segen. Doch spätesten bei den vier Frauen in der Jakobsgeschichte merken ihr, dass die Träume verschieden sind, dass es dort um den Traum eines einzelnen Patriarchen geht. Bei euch hingegen geht es um einen gemeinsamen Traum vom Himmel. Der Segen den ihr heute empfangt ist für ein gemeinsames Leben: „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst“. Was Gott im Himmel dem Jakob vermittelt durch seine Engel sagt, das sagt ihr heute zueinander, einer der Engel des anderen: „Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst, ich will dich nicht verlassen, bis ich alles tue, was ich dir zugesagt habe.“
Ihr könnt gemeinsam träumen vom Himmel. Ich wünsche euch dazu, dass ihr auch in eurem Traum die Treppe seht, die zum Himmel führt, so wie Jakob. Der entdeckt: es gibt Stufen, es gibt eine Treppe nach oben. Die kannst du Schritt für Schritt gehen.
Diese Treppe war bei euch schon da an dem Tag des Heiratsantrags mit Rosenblättern bestreut da. Und du ahnst, wenn du Stufe um Stufe hochgehst und dich fragst, „was ist hier los?“: Hier erwartet dich Himmlisches! Die Mühe des Hinaufsteigens bleibt und ohne die Mithilfe eines Engels wäre es bei euch damals wohl auch nicht gelungen. So wird das auch weiterhin sein auf dem Weg, den ihr geht. Für manche Stufen brauchst du einen Engel. Es ist gut wenn ihr das auch füreinander seid.
Zum Himmel gehört wohl ebenfalls das Geheimnis, damit es spannend bleiben. Überraschungen gehören dazu. Doch für den gelingenden Weg nach oben ist es genauso wichtig, dass einer vom Traum des anderen weiß. Was ersehnt sich der Partner, worauf hofft er? Träumt einen gemeinsamen Traum!
Es müssen bei euch nicht, wie in Jakobs Fall, große Viehherden sein oder Land und Immobilien. Dass es mit vier Frauen sehr kompliziert ist, erzählt schon die Bibel. Im Zuge von Emanzipation und Gleichberechtigung gilt das erst recht  – da träumt besser von was anderem. Aber lasst es euren gemeinsamen Traum sein. Seid dabei füreinander die Engel, die sich wechselseitig helfen auf den Treppenstufen zum Himmel.
Auch in den vielen Menschen, die jetzt hier sind, könnt ihr solche Engel entdecken, Boten Gottes, die jeweils auch ihren kleinen Segen für euch haben.
Wir alle wünschen euch heute viel Glück, viele gute Tage. Die schlechten kommen von selbst ohne dass sie jemand wünscht. Sie können aber auch die Bewährungsprobe für eure Treue sein und die Liebe tiefer und reifer machen. Das Halleluja von Leonard Cohen, das ihr euch für den heiligsten Augenblick gewünscht habt, besingt auch die Brüche des Lebens. Ein Halleluja für "gute und böse Tage bis der Tod euch scheidet".  Bis der Tod auch scheidet - euer Ja heute hat eine Grenze. Es ist kein Ja für alle Ewigkeiten. Es ist nur für dieses Leben hier. Am Ziel des Traumes, im Himmel wird dann alles noch mal anders sein. Aber in dieser begrenzten Zeit hier auf Erden will euch das Wort aus Gottes Ewigkeit zum Segen werden:Ich bin mit dir und will dich behüten, wo du hinziehst.“
In dieser begrenzten Zeit und Welt könnt ihr miteinander alt werden, schon mal ein paar Stufen dem Himmel entgegen gehen. Wenn es mit dem Treppenstufensteigen mit den Jahren später mal nicht mehr so gut geht, dann wird jemand da sein, der euch hinauf hilft. Im Falle von Jakob sind das am Ende über 12 Kinder. Ob das auch euer Traum ist weiß ich nicht. Aber die erste Stufe könnte sein, schon mal mit einem anzufangen.

 
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