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das Band der Vollkommenheit (2011)

Predigt > Hochzeit

Traupredigt  Kolosser 3, 13+14

Ertrage einer den andern und vergebt euch untereinander, wenn jemand Klage hat gegen den andern; wie der Herr euch vergeben hat, so vergebt auch ihr!


Über alles aber zieht an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.

Liebes Brautpaar, liebe Hochzeitsgemeinde,

von Charles Darwin, dem Begründer der Evolutionstheorie, wird berichtet, dass er ein großes Stück Papier nahm, darauf eine senkrechte und eine waagrechte Linie zog. Links notierte er: Heiraten. Rechts notierte er: nicht heirateten, und dann schrieb er darunter die Argumente Pro und Contra.

Unter den Vorteilen notierte er: Trautes Heim, Reiz des weiblichen Plauderns, gut versorgt sein. Unter nicht heiraten schrieb er: Zeitverlust, viele Störungen, Zwang zum Geldverdienen. Am Ende zog er unter Pro und Contra einen dicken Strich und schrieb: "Es gibt viele glückliche Sklaven!" und Charles Darwin heiratete.

Ich bin mir  aber nicht sicher ob die Geschichte wirklich stimmt, vor allem, ob sie für euch stimmt. Denn auch wenn diese Ehe hier durch  einen Geschäftsbericht vermittelt wurde, so dürfte am Anfang kaum die nüchterne Kosten-Nutzen Berechnung gestanden haben.

Was im Geschäftsleben seinen Platz hat - man vergleicht verschiedene Angebote und wählt dann dasjenige mit den besten Konditionen, dem besten Kosten-Nutzen Faktor – das funktioniert  bei der Wahl des Ehepartners kaum. (Oder hat irgendjemand von ihnen hier so seinen Partner ausgesucht?). Die Wahl des Ehepartners, da kommt ein andere Glanz ins Spiel.

Der ist  zwar auch schon mal in einem Geschäftsbericht zu finden, aber er stammt nicht aus der Welt der Geschäftsberichte. Er ist nicht von dieser Welt.

Himmlische Liebe, anziehende Liebe, die Attraktivität einer Frau in  einem wunderbaren Kleid, der Charme eines Mannes  im besten Anzug und die Spannung dazwischen. In der Bibel ist das sogar ein Bild für den dreieinigen Gott.

Bekleidet  mit der Liebe - sie ist das Band, das euch zu einer vollkommenen Einheit zusammenschließt.

Bestens angezogen, so kommt ihr heute hier her. Extra für diesen Tag habt ihr euch eine besondere Kleidung zugelegt: Das Hochzeitskleid. Nehmt euch ruhig Zeit, euch so zu bewundern wie ihr jetzt seid.

In der besonderen Hochzeitskleidung kommt zum Ausdruck, was dieser Tag bedeutet. Es sind sehr gegensätzlich Kleidungsstücke, die euch heute schmücken, und doch in ihrer Gegensätzlichkeit auf einander bezogen. Hell und dunkel, schwarz und weiß, das sind die Unterschiede,  die Verschiedenheit, in der es den Menschen überhaupt nur gibt: Als Mann und Frau seid ihr hier. Über all‘ eure sehr verschiedenen Kleidungsstücke - oder besser noch: in all der Kleidung, mit der ihr euch füreinander schmückt -  habt ihr heute, hattet ihr gestern und wollt ihr morgen noch ein gemeinsames Kleid anziehen: Unsichtbar, geheimnisvoll, nicht von dieser Welt, aber in dieser Welt,  ja  das Vollkommenste, was es in dieser Welt gibt. „Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit.“

Wir haben  dieses Vollkommene nur in sehr zerbrechlichen, irdischen Gefäßen. Deswegen gehört zur Liebe ein hohes Maß an Sensibilität und Toleranz, Achtsamkeit und Rücksichtnahme.

Ein paar einfache grundlegende Dinge benennt der Kolosserbrief, damit euch die Liebe erhalten bleibt und das neue Leben miteinander.

Ich zitiere die Verse zuvor: „Belügt einander nicht! Ihr habt doch das alte Gewand ausgezogen – den alten Menschen mit seinen Verhaltensweisen –  und habt das neue Gewand angezogen – den neuen, von Gott erschaffenen Menschen, der fortwährend erneuert wird, damit ihr die Liebe  immer besser kennen lernt und ihrem Bilde ähnlich werdet.

Ehrlichkeit also, das ist das erste, selbst wenn das manchmal weh tut, oder gar unerträglich scheint. Liebe ist nicht nur der siebte Himmel, nicht nur romantisch. Es ist auch, den anderen einfach mal einen Tag lang ertragen, wenn er so verstimmt wie ein altes Klavier, auf dem jeder herum geklimpert hat. Seid ehrlich und vertraut auf Vergebung, wenn jemand Klage gegen den anderen hat. Aber auch umgekehrt – seid nicht nachtragend. Wenn der liebe Gott dir alle deine Fehler nachtragen würde und jede Schuld berechnen, dann würdest du nie in den Himmel kommen und wärst bald so pleite wie derzeit Griechenland

So ergänzt der Kolosserbrief - und ich ergänze diesen wiederum  ein wenig: Was euer neues gemeinsames Leben  betrifft spielt es keine Rolle mehr, ob jemand Grieche oder Jude ist, Ossi oder Wessi, beschnitten oder unbeschnitten, getauft oder nicht getauft. ungebildet oder unzivilisiert, Sklave oder freier Bürger. Das Einzige, was zählt, ist die Liebe, so wie sie sich in Christus offenbart hat. Das ist alles, und es ist auch vollkommen genug

Im Religionsunterricht und bei Traugesprächen geht es immer mal um die Frage der Konfession, des Bekenntnisses. „Evangelisch“, sagt der eine, „katholisch“ der andere, „konfessionslos“ der Dritte und der vierte weiß es gar nicht so genau..  

Aber es ist eigentlich klar: Wer sich heute hier in der Kirche, in der Gegenwart Jesu Christi  mit einem klaren Ja zu dem anderen bekennt, der ist nicht mehr konfessionslos. Er bekennt sich zur Macht der Liebe. Evangelisch – eine gute Nachricht - ist das auch. Da entsteht etwas Neues, Übergreifenderes verbunden durch das Band der Liebe, den heiligen Geist.

Paulus schreibt an die Kolosser: Ihr seid nun  eine Familie. Ihr seid von Gott erwählt. Ihr gehört zu seinem heiligen Volk. Ihr seid von Gott geliebt. Darum kleidet euch nun in tiefes Mitgefühl, in Freundlichkeit, Bescheidenheit, Rücksichtnahme und Geduld. Geht nachsichtig miteinander um und vergebt einander, wenn einer dem anderen etwas vorzuwerfen hat

Was ihr euch auf der einsamen Insel so ganz romantisch schon versprochen habt an Liebe und Treue - heute wird es zum öffentlichen Bekenntnis,  zum Ringwechsel und zum Kuss vor aller Augen – wir hoffen es jedenfalls.

Der Segen des himmlischen Vaters begleitet euch dabei und auch der irdische Vater hat darauf bestanden, die Braut herein zu begleiten,  als Symbolhandlung stellvertretend für die Eltern, die damit zeigen: Unseren Segen habt ihr auch!

Und der Friede Jesu Christi regiere so euer Herz bei allem, was ihr tut!

von Pfr.Helmut G. Müller aus der Gemeinde Buchen befindet sich diese Seite jetzt auf der homepage http://www.helmutg-mueller.de . Sie werden automatisch weitergeleitet.
 
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