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Vom Nutzen der Ehe (2015)

Predigt > Hochzeit

Kohelet 4 / Prediger 4, 9
9 Zwei sind allemal besser dran als einer allein. Wenn zwei zusammenarbeiten, bringen sie es eher zu etwas. 10 Wenn zwei unterwegs sind und hinfallen, dann helfen sie einander wieder auf die Beine. Aber wer allein geht und hinfällt, ist übel dran, weil niemand ihm helfen kann.
11 Wenn zwei beieinander schlafen, können sie sich gegenseitig wärmen. Aber wie soll einer allein sich warm halten?
12 Ein einzelner Mensch kann leicht überwältigt werden, aber zwei wehren den Überfall ab. Noch besser sind drei: »Ein Seil aus drei Schnüren reißt nicht so schnell.«
 
Traupredigt
Liebes Hochzeitspaar, 
so eine feste Zweierbeziehung ist doch etwas ganz Praktisches. Zu zweit ist man weniger allein. Eine Wohnung ist billiger als zweie, und wenn jeder noch das seine zur Verzierung tut, dann sieht es auch schöner aus. Wenn die Frau dem Mann im Beruf den Rücken freihält, dann bringt der es eher zu etwas, wobei das inzwischen auch umgekehrt gilt oder die Zweierbeziehung auch aus Frau und Frau oder Mann und Mann bestehen kann. Selbst das Einbruchsrisiko ist geringer, wenn häufiger jemand in der Wohnung ist. Wer dazu noch Kinderspielzeug vor der Haustür stehen lässt, schreckt damit Diebe zusätzlich ab, weil die wissen: Hier hat jemand sein Geld in Kinder angelegt, da ist sonst nicht viel zu holen.
Zudem sollte man auch schon mal an das Alter denken. Da brauchst du jemand der dir auch mal aufhilft, wenn die Beine nicht mehr so richtig wollen. Wer da allein ist, ist übel dran und landet früher im Pflegeheim, vom höheren Demenzrisiko ganz zu schweigen. Doch nicht erst im Alter geschieht dergleichen. Auch mitten im Leben erwischt dich die Krankheit, der Unfall und dann ist es besser zu zweit zu sein und jemand zu haben, der dir wieder aufhilft.
Außerdem ist es einfach wärmer wenn du nicht allein im Bett liegst. Wie soll ein Einzelner sich warm halten.
Wenn dann noch etwas Drittes hinzukommt, dann ist das noch besser. Ein Kind, das ist da ganz praktisch, weil du dann später nicht so schnell ins Grübeln kommst und dich fragst: Wofür mach ich das hier eigentlich alles? In einer Gesellschaft, die vorrangig auf die berufliche Karriere setzt, werden sich genau deswegen die Altersdepressionen vermehren, falls nicht schon vorher jemand seinen Burnout hat und am Sinn der Arbeit zweifelt. Da bringt dich ein Kind auf andere Gedanken.
Noch besser als Zweie sind also Dreie. Ein Kind stabilisiert die Zweierbeziehung und eine dreifache Schnur reißt nicht so leicht entzwei.
So, liebe Singles unter den Hochzeitsgästen, ich hoffe der Prediger Salomos hat sie jetzt restlos überzeugt, und sie haben erkannt: Eine Zweierbeziehung möglichst mit Kind, das ist praktisch und vernünftig. Und falls sie bisher noch nicht zur Vernunft gekommen sind, dann schauen sie sich doch heute mal hier unter den anderen Singles um, ob sich da was findet, damit sie zu zweit besser dran sind als alleine.
(Frage: Wer von den Anwesenden ist noch Single – bitte mal melden).  
 
Und doch – ihr ahnt es - fehlt da bei all diesen praktisch-vernünftigen Überlegungen noch etwas für eine gute Ehe. Vielleicht, liebes Brautpaar, belegt es der kleine E-Mail Verkehr zu eurem Trauspruch, dass da irgendwas noch fehlt. Da kam also, nachdem ich euch den Zusammenhang eures Bibelwortes geschickt hatte, am Montag dann die Rückmeldung bei mir an; als Trauspruch haben wir uns jetzt  von Michel Quoist noch ausgesucht:  "Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird." Wir nehmen das jetzt auch als zusätzliches Wort zum biblischen Trauspruch dazu.

Der Trauspruch – das ist traditionell ein Bibelwort. In der Bibel aber steht so ziemlich alles drin: bunt, vielfältig, widersprüchlich, so wie das Leben nun mal ist. Das ist gesammelte Menschheitserfahrung mit Gott und der Welt. Da gibt es seit jeher die unterschiedlichsten Typen: Hoffnungslose Optimisten, Pessimisten, die sich trotzdem des Lebens freuen, Träumer, Realisten. Romantiker und solche, die vor allem an den praktischen Nutzen denken. Mit eurem Trauspruch aus dem Buch Kohelet, dem Prediger Salomos, hattet ihr euch einen fröhlichen Skeptiker ausgesucht. „Es ist alles vergeblich, vergebliche Mühe, fruchtlose Beschäftigung, alles eitel“ – das ist seine Botschaft. Aber auch wenn alles vergeblich ist, eitel und vergänglich, zu zweit hat man doch mehr Spaß dabei. Wenn zwei beieinander liegen wird es etwas wärmer in einer ansonsten kalten Welt. In den Kämpfen des Lebens ist die Familie ein guter Rückzugsort, vor allem wenn noch ein Dritter dazu kommt und den Strang befestigt.
So habt ihr mir erzählt wie gut das war, gerade in den schwierigen Situationen eures Lebens nicht allein zu sein. Wie viel Wärme kam da mit dem Partner in das Leben seit jenem heißen Abend in der Festhalle bei den Ärzten. Es war dann wohl doch mehr als die nüchterne und kühle Kosten-Nutzen Analyse einer Zweierbeziehung, die euch zum Traualtar führt. Auch war’s nicht nur eine Notgemeinschaft nach dem Motto: Zu zweit ist es besser als alleine, und wenn wir nichts Besseres finden, dann heiraten wir uns halt, wo doch das Heiraten in eurer Clique gerade ein bisschen in Mode gekommen ist, oder vielleicht auch jetzt einfach dem natürlichen Alter entspricht.
 
So hattet ihr euch zu eurem Trauspruch auch gleichzeitig noch ein Liebeslied gewünscht. Wir werden es nachher hören, dort wo eure Liebe sich in dem Ja-Wort für ein ganzes Leben bündelt, und wir wünschen euch dazu, dass eure Ehe vor allem anderen ein Liebeslied sei:
Applaus, Applaus
Für Deine Worte.
Mein Herz geht auf,
Wenn Du lachst!
Applaus, Applaus,
Für Deine Art mich zu begeistern.
Hör niemals damit auf!
Ich wünsch mir so sehr,
Du hörst niemals damit auf.
 
Es geht also heute um einen besonderen Akt von Begeisterung füreinander. Es geht um ein Gebet – „ich wünsch mir sehr.“ und etwas ewiges, das niemals aufhört: dazu Applaus. Die traditionelle Form von Applaus in der Kirche heißt dabei „Amen“.

Applaus für Deine Worte -  „Im Anfang war das Wort“.  Im Johannesevangelium wird erzählt, wie dieses Wort zum Licht der Menschen wird, wie das Herz aufgeht, der Himmel offen steht und dann beginnt eine wunderbare Geschichte zum Heil der Welt. Sie beginnt mit einer Hochzeit, der Hochzeit in Kana. Dort vollbringt Jesus das erste Wunder, ein nutzloses und im doppelten Sinn des Wortes überflüssiges Wunder. Er verwandelt 600 Liter Wasser in allerbesten Wein und das als die Leute schon betrunken sind. Das war gewiss nicht notwendig, hat aber doch wohl zu guter Stimmung beigetragen. So eben wie eine Hochzeit überhaupt nicht notwendig ist und eine kirchliche Trauung schon gar nicht.
Kirchlich heiraten, das muss niemand machen. Zusammenleben kann man auch so und auch die biologische Fortpflanzung funktioniert ohne ein solches Fest.
Nein - was heute hier geschieht ist nicht notwendig. Es ist mehr als notwendig, mehr als nützlich. Es entzieht sich den Kosten-Nutzen Berechnungen, aber es bereichert das Leben um die Dimension des Glaubens, des Liebens und Hoffens – des Himmelreichs. Es ist heute Hoch-zeit, die Zeit für große Gefühle und offenen Himmel. Niemand soll da fragen, was es bringt und ob es lohnt. Ich hoffe jedenfalls, dass keiner bei der anschließenden Feier nachrechnet, ob er den Gegenwert seines Geschenkes auch gegessen oder getrunken hat und vielleicht gar mit einem kleinen Gewinn in der Bilanz nach Hause kurvt.
 
Wir bezeugen mit dieser Trauung: Eure Ehe ruht in Gott, dem Gott, der Liebe ist, der Überfülle des Lebens, verschenktem Reichtum und ausgelassener Festtagsfreude, dem ganzen Segen des Daseins.
Für den Augenblick der Trauung singen heute die Sportfreunde Stiller das Evangelium und bitten um das Amen dazu. Applaus für deine Worte, höher als alle Vernunft. Heute dürft ihr ganz unvernünftig sein, und Verwandte und Freunde dürfen die Feier bereichern mit viel nutzlosem Zeug, aber hoffentlich guter Stimmung.
 
Doch nicht jeder Tag ist Hochzeit. Nicht immer ist der Himmel so offen. Es gehört eben auch viel Alltag dazu mit den Gesetzen dieser Welt. Da haben dann auch Vernunft und Nützlichkeitserwägungen ihren Platz.  
Euer Trauspruch hilft euch, die Zeiten zu überbrücken, wo die großen Gefühle nicht da sind; wo es vorrangig um die Alltagsprobleme geht: Wer macht den Abwasch? Wer bringt den Müll weg? Wer holt die Getränke? Wer verdient die Brötchen und wer belegt sie?
Zu zweit geht es besser als alleine. Da bist du nur jede zweite Woche dran oder musst nur die Hälfte machen und wenn du mal krank bist hast du eine Vertretung.
Vielleicht sind diese ganz praktischen Aspekte gar nicht mal das Schlechteste. Ehen scheitern heutzutage meist nicht an den Macken der Partner, sondern an den überzogenen Erwartungen, als müsste man jeden Tag auf Wolke 7 sein.
Verliebt sein, die Welt auf rosa Wolken, ineinander verschmelzen, große Gefühle – ja das ist etwas Schönes. Das gibt es aber alles nur geschenkt. Der Heilige Geist als großes Gefühl lässt sich nicht herbeizwingen, er kommt wo er will und wann er will und wenn er mal nicht da ist, kann man sich immer noch damit trösten, dass es zu zweit halt immer noch etwas besser ist als alleine.  
Es gab Zeiten, da wurden Ehen vor allem nach den Nutzen abgeschlossen. Wer bringt wie viele Kühe mit in die Ehe ein? Wer hat welche Ländereien? Die Österreicher haben einst gar ein ganzes Kaiserreich durch geschicktes Heiraten zusammen gebracht. Manchmal kam die Liebe noch dazu, manchmal ging sie auch nur nebenher.
Das ist heute anders. Längst entscheiden nicht mehr die Eltern, wer da so wen heiraten darf. Längst sind es die Betroffenen selbst, die entscheiden. Sie - die Eltern, bitten wir nur, auch ihren Segen dazu zu geben. Mann und Frau sind heute weitgehend gleichberechtigt. Nur vereinzelt gibt es noch patriarchale Relikte, wie etwa, dass der Mann der Frau einen Antrag machen muss und nicht umgekehrt. Doch vielleicht sollte man das auch abschaffen, weil es nur zu verzögertem Heiraten führt. Die Männer trauen sich einfach nicht, wenn hier plötzlich von ihnen alte Rollenmuster erwartet werden.
Jedenfalls so viel ist klar: Ohne Liebe geht es heute nicht mehr, auch wenn es noch so nützlich wäre. So habt ihr als Trauspruch auch gleich noch ein Wort zur Liebe nachgeliefert: "Wer den anderen liebt, lässt ihn gelten, so wie er ist, wie er gewesen ist und wie er sein wird“.
Vor der Liebe tritt alles andere zurück, werden alle anderen Grenzen zweitrangig. Sie ist – und das ist gut christlich - die Metareligion unserer Zeit. Ob evangelisch, katholisch, Atheist, Muslim oder Buddhist und mittlerweile auch, egal ob Mann oder Frau - Hauptsache sie lieben sich. Vor der Absolutheit der Liebe muss alles andere schweigen. Da bleibt als Antwort nur das Amen hier in der Kirche, oder auch "Applaus, Applaus" zum Kuss der Beiden.
Doch vorher würden wir natürliche gerne noch euer Ja-Wort hier hören – laut und deutlich und öffentlich, vor Gott und der Welt; in aller Freiheit, und nicht nur, weil es zu zweit besser ist als alleine. Amen

Nach dem Abschied von Pfr.Helmut G. Müller aus der Gemeinde Buchen befindet sich diese Seite jetzt auf der homepage http://www.helmutg-mueller.de . Sie werden automatisch weitergeleitet.
 
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