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bis der Tod euch scheidet (2013)

Predigt > Hochzeit

Traupredigt zur Traufrage

Einen Menschen lieben, heißt einwilligen mit ihm alt zu werden
(Albert Camus)

Nur der Tod wird dich und mich scheiden.
(Ruth 1, 17b)


Liebe Hochzeitsgemeinde, liebes Brautpaar,
„die Heilige Schrift bezeugt die Ehe als gute und gnädige Gabe. Gott hat euch beide in der Ehe verbunden und euch seinen Segen verheißen. So frage ich euch  vor Gott und seiner Gemeinde:
NN. willst du NN geb. NN  als deine Ehefrau aus Gottes Hand nehmen, sie lieben und ehren, Freude und Leid mit ihr teilen und ihr die Treue halten in guten und in bösen Tagen, bist der Tod euch scheidet, so antworte mit  …. Nein -  bitte jetzt noch nicht antworten. Auch wenn ihr euch schon ganz sicher seid: es wird ein Ja, und ein Nein ist  eine unmögliche Möglichkeit. Jetzt ist erst noch Zeit zum Überlegen und Nachdenken. Denn das ist ja jetzt die Aufgabe der Predigt, miteinander zu überlegen, was euer Ja-wort bedeutet.
Als Wort dazu habt ihr euch die Weisheit von Albert Camus gewünscht. Einen Menschen lieben, heißt einwilligen mit ihm alt zu werden. Wohlgemerkt „alt zu werden".
Mancher heiratet ja auch und anschließend sieht er ziemlich alt aus. Die Haare werden weniger, der Bauch wird dafür umso mehr. Und die Schönste aller Frauen, die man in großer Einfalt geheiratet hat,  wird immer vielfältiger. Miteinander alt werden. Da kommt es darauf an, wie das geschieht. Wenn ich älter werde, und meine Haare verliere in vielen Jahren ab jetzt. - „will you still need me, will you still feed me, when I’m sixty-four?” sangen es die „Beatles.  Wirst du mich noch brauchen, mit mir speisen wenn ich 64 bin?
Werden es erfüllte Jahre, oder streicht die Zeit einfach nur so dahin? Die körperliche Konstitution ist dabei heute zumeist nicht das Problem. Die meisten von uns werden heutzutage so alt wie nie zuvor in der Menschheitsgeschichte.  Manche fürchten schon gar die Überalterung der Gesellschaft. Andere aber zeigen, dass sie auch mit 71 noch rüstig sind in den Weinbergen des Lebens.  Wird dann in vielen Jahren auch die Qualität eurer Beziehung noch so sein, dass ihr gerne und gut zusammenseid? Vielleicht mit Udo noch anstimmt: "Mit 66 Jahren, da fängt das Leben an, mit 66 Jahren da hat man Spaß daran."
Viel Spaß miteinander, daran entzündet sich nicht nur die Liebe, sie lebt auch davon, dass ihr viel Freude aneinander habt und Spaß miteinander,  so dass ihr dann auch das Leid miteinander tragen könnt.
Heute ist das schon  die Bedingung einer guten Ehe, dass man Spaß miteinander hat. In früheren Zeiten hat man die Zähne zusammengebissen und durchgehalten, auch wenn es kein Spaß mehr war und man mehr nebeneinander als miteinander gelebt hat. Da die Menschen früher gestorben sind, waren es ja auch nicht soviele Jahre wie heute, die man aushalten musste.  Die Ehe als Pflichtprogramm - das ist heute anders.  Ohne Liebe geht es nicht - nicht mehr.
Aber zur Liebe bekennt ihr beide euch ja heute auch. „Einen Menschen lieben heißt einwilligen mit ihm alt zu werden.“  Ich vermute, dass ihr bei „einen Menschen lieben“ jetzt an einen ganz bestimmten denkt, nämlich den der gerade neben euch sitzt.
Euer Ja-Wort hier ist die Einwilligung mit ihm, mit ihr  alt zu werden bis der Tod euch scheidet.
Das ist ein großes Wort, ein großes Versprechen. Wer von euch beiden weiß denn schon, was für ein Mensch er in 10, 20 oder noch mehr Jahren sein wird. Wer kann eine Garantie abgeben für vielleicht 50 Jahre Zukunft.  Aber ihr müsst das auch gar nicht. Gefragt ist jetzt nur euer heutiger fester Wille. Und alles andere ist ein Geschenk. Ein Geschenk, das euch für eine ganze Lebenszeit zugesagt wird,.

"Die Heilige Schrift bezeugt die Ehe als gute und gnädige Gabe." Die Heilige Schrift, die verdichtete Erfahrung von Menschen über Jahrtausende hinweg bezeugt: Die Ehe ist etwas Gutes. Trotz allen Schwierigkeiten und allen Probleme, die eine Ehe auch mit sich bringt. Sie ist grundsätzlich etwas Gutes.
Von Woody Allen stammt der schöne Spruch: Die Ehe ist der Versuch gemeinsam die Probleme zu lösen, die man allein gar nicht hätte. Ja, vielleicht hätte man alleine ein paar Probleme weniger, und doch sind die meisten von uns nicht für’s Alleinleben geschaffen. Schon die Statistik beweist das. Die Lebenserwartung von Singles ist deutlich kürzer, sie ernähren sich ungesünder, sind labiler und die meisten von ihnen haben diese Lebensform auch nicht freiwillig gewählt. „Ich habe halt noch nicht die Richtige gefunden“, sagt mir der 70-jährige Herr, der ewig Suchende. Da geht es euch heute deutlich besser. Ihr habt gefunden was ihr suchtet.
"Die Ehe ist eine gute und gnädige Gabe" – ein Geschenk,  ein wundervolles Geschenk. Das heißt jetzt: Also, liebe N, du hast diesen Mann an deiner Seite nicht verdient, und du lieber N hast diese Frau nicht verdient. Hier ist einer des anderen Geschenk. Ein Geschenk aus Gottes Hand.
Bei der Hochzeit wird das unmittelbar deutlich schon allein durch die schöne Verpackung, in der ihr heute hier seid. Hochzeitskleidung.
Das Standardlied zu Beginn einer Trauung heißt „Danke“. Danke, das ist die Höflichkeit gegenüber dem Himmel. „Danke, dass wir die Liebe fanden...“
Nicht ihr habt diese Liebe gemacht. Nicht ihr habt eure Zuneigung zueinander hergestellt. Nicht von euch stammt das Herzklopfen der ersten Begegnungen. Nicht von euch die Anziehungskraft, die Blicke füreinander, dieses wunderbare Gefühl. All das ist nicht von dieser Welt. „Gott hat euch beide in der Ehe verbunden‘“, so bekennen wir unseren Glauben zu Beginn der Traufrage. Eure Ehe beginnt nicht erst jetzt. Sie hat schon längst bekommen. Vielleicht heute vor 4 Jahren, vielleicht an der Kerb. Vielleicht schon mit den ersten Augenblicken beim Straßenfest zuvor. Manchmal entdecken Liebende gar, dass sie sich schon von Ewigkeiten her kennen. „Ich fühl wie du, für immer du in alle Ewigkeit.“
„Ehen werden in Wahrheit im Himmel geschlossen“, sagt ein Wort, aber dass sie auch auf Erden gelingen, dafür seid ihr mitverantwortlich. Dafür ist euch Gottes Segen verheißen – die Kraft der Liebe, die Kraft in Glück und Unglück miteinander zu leben.
Was Gott so zusammenfügt ist keine Zwangsehe. Deswegen werdet ihr gefragt. Nach eurem freien Willen wird gefragt. Ein jeder von euch beiden wird namentlich gefragt: Willst du? Willst Du diese eine Frau, diesen einen Mann aus Gottes Hand nehmen, als ein Geschenk Gottes annehmen. Ist dieses jetzt Dein fester Wille. Ohne euer Einverständnis fügt euch der Himmel nicht zusammen.
Es ist auch die Einwilligung zu den Überraschungen, die eine Ehe mit sich bringt- wie bei einem guten Geschenk: Man sieht die wunderschöne Verpackung, den Reiz des Äußeren. Aber was genau drin ist - da lasst euch mal überraschen.
Ein Umtauschrecht ist nicht vorgesehen, eine Garantie gibt es nicht.  Aber ihr dürft wissen, dass der, aus dessen Hand ihr dieses Geschenk bekommt, es unendlich gut mit euch meint und er mit dieser Gabe seine eigene Schöpferkraft verbindet. Die Kraft neues Leben werden zu lassen.
Ich frage euch: „Willst du sie lieben und ehren“. „Willst du ihn lieben und ehren.“
Lieben wollen allein reicht nicht. Lieben können entzieht  sich unserem Willen. Es gibt wohl Zeiten, da will ich den Partner lieben, ich kann es aber nicht. Liebe zu heucheln wo keine ist macht die Sache dann nur schlimmer. Aber ich will ihn dann ehren. Ich kann ihn respektieren, achten auch in den Differenzen.  Und ansonsten können wir um die Macht der Liebe nur bitten und beten - und warten, geduldig warten, bis die Liebe wiederkommt.

„Freude und Leid mit ihm teilen und ihm  die Treue halten in guten und in bösen Tagen.“
„Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was du dir vertraut gemacht hast,“ sagt der Fuchs zum kleinen Prinzen.
Ihr seid  zeitlebens füreinander verantwortlich. Selbst mit einer Ehescheidung vor Gericht erlischt diese Verantwortung füreinander vor Gott nicht. Das ist die Wahrheit hinter der Lehre von der Unauflöslichkeit der Ehe.
Diese Verantwortung füreinander, zu der ihr heute Ja sagt, kann dabei durchaus auch beinhaltet  mal Nein  zu sagen.
Wenn eine Ehe in allzu großer Langeweile erstarrt ist, das Leben nur noch wie im gläsernen Sarg, dann kann es zu dieser Verantwortung gehören auszubrechen, auch um wieder Leben rein zu bringen, spannendes Leben.
Nicht nur Freude, auch Leid gehört zur Ehe und die bösen Tage. wo nicht nur die Tage böse sind sondern auch der Partner.
Wir alle wünschen euch heute viel Glück, viele gute Tage. Die bösen  kommen von selbst, ohne dass sie jemand wünscht.
Sie können aber auch die Bewährungsprobe für eure Treue sein und die Liebe tiefer und reifer machen. Das Halleluja von Leonard Cohen, das ihr euch für den heiligsten Augenblick gewünscht habt, besingt auch die Brüche des Lebens. Ein Halleluja für gute und böse Tage.

„Bis der Tod euch scheidet.“  Euer Ja heute hat eine Grenze. Es ist kein Ja für alle Ewigkeiten.  Es ist nur für dieses Leben. Wir sind keine Götter. Was danach kommt, entscheidet ein anderer, und wie ihr euch dieses andere in euren Träumen und Phantasien ausmalt ist kein Treuebruch. Überfordert wir uns da nicht. Gönnen wir ihm getrost seine 10 Schönheiten im Himmel und ihr den Traumpartner, der sie immer perfekt versteht – ein Engel von Mann – im Himmel.
„Drum prüfe wer sich ewig bindet.“ Schillers Wort stimmt nicht. Ihr bindet euch heute nicht für alle Ewigkeit. Es ist nur für diese Zeit und für die Wirklichkeit dieser Welt.
Aber in dieser begrenzten Zeit und Welt miteinander alt zu werden und die Jahreszeiten eines Lebens in Treue zu einem Menschen auszukosten, das ist doch auch schon etwas Wunderbares. Wir können es „an Tagen wie diesen“ mit einem rauschenden Fest feiern.
Ich bin sicher: ihr werdet das tun. So wird es sein, so sei es. Auf Hebräisch heißt das: Amen.


Nach dem Abschied von Pfr.Helmut G. Müller aus der Gemeinde Buchen befindet sich diese Seite jetzt auf der homepage http://www.helmutg-mueller.de . Sie werden automatisch weitergeleitet.
 
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